Newcastle hat 75 Millionen kassiert und trotzdem verloren. Diesen Spieler ersetzt du nicht mit Geld, sondern nur mit Zeit – und die hat der Klub in diesem Sommer nicht.

Debüt zur Halbzeit – und ein Elfmeter mit Vorgeschichte
Mikel Arteta brachte ihn zur Pause, für Max Dowman. Beim Stand von 1:1 gegen Como, nachdem Myles Lewis-Skelly getroffen und Martin Baturina ausgeglichen hatte. Die Gesänge setzten ein, bevor Guimarães den Ball überhaupt berührt hatte.
Dann die Zahlen: 23 von 26 Pässen angekommen, 17 davon in der Hälfte des Gegners, beide Zweikämpfe gewonnen. Kein Feuerwerk. Aber ein Mittelfeld, das plötzlich schneller nach vorne dachte.
Im anschließenden, vorab vereinbarten Elfmeterschießen trat er an. Ausgerechnet er. Bei der WM hatte Guimarães im Achtelfinale gegen Norwegen vom Punkt verschossen, Brasilien flog raus. Diesmal traf er. Arteta sagte danach, sein Neuzugang habe erst drei Trainingseinheiten hinter sich – und trotzdem gut ausgesehen.
Newcastles kalte Mitteilung und ein Sommer des Ausverkaufs
Wie der Klub den Abgang aufnahm, verrät die eigene Pressemitteilung. Newcastle bestätigte den Wechsel in wenigen Zeilen, betonte vor allem die Höhe der Ablöse – laut Verein eine der zehn höchsten je für einen Spieler ab 28 Jahren erzielten Summen – und listete 195 Einsätze sowie 31 Tore auf. Für einen Kapitän, der den ersten großen Titel seit 1969 nach Tyneside geholt und den Klub zweimal in die Champions League geführt hat, ist das bemerkenswert wenig Wärme.
Die Fans reagierten gespalten. Bei talkSPORT machte ein Anhänger seinem Ärger vor laufender Kamera Luft, andere lobten Kieran Trippiers versöhnliche Worte zum Abschied. Guimarães selbst verabschiedete sich per Videobotschaft an die „Geordies”.
Der Kontext macht es schlimmer. Anthony Gordon ging nach Barcelona, Sandro Tonali zu Tottenham, Trippier ebenfalls. Eddie Howe warf nach einem 4:1 gegen Zweitligist Bristol City hin. Über 240 Millionen Pfund Verkaufserlös, ein neuer Trainer, ein Kader ohne Anführer. Wer da von Verrat spricht, meint vermutlich nicht nur den Spieler.
Am Sonntag geht es für Arsenal im Community Shield gegen Manchester City. Arteta ließ offen, ob Guimarães nach vier Trainingseinheiten von Beginn an spielt.