Die Meisterschaft ist ein Bayern-Solo, der Rest der Liga liefert das Drama. Schalke-Comeback, fünf neue Trainer, ein wackelnder BVB – wer 2026/27 nur auf die Tabellenspitze schaut, verpasst die beste Saison seit Jahren.

Bayern hat nur einen Gegner: sich selbst
Double, Supercup, Torschützenkönig mit 36 Treffern. Der FC Bayern startet als Meister in die 64. Bundesliga-Saison, und die Buchmacher preisen das mit Quoten um 1,20 ein. Wer dagegen wettet, glaubt an Wunder. Vincent Kompany hat den Kader eher verdichtet als umgebaut: Nathaniel Brown kam für 50 Millionen Euro aus Frankfurt und traf im Supercup gleich, Ismael Saibari bringt Tempo für die Zehn. Palhinha steht laut Max Eberl kurz vor dem Abschied nach Lissabon, Goretzka soll nach England – beides schmerzt niemanden in München.
Ein Fragezeichen bleibt, und es ist ein menschliches. Jamal Musiala fehlt vorerst, weil der Klub seine Medikation anpasst und ihm laut Kompany die nötige Ruhe geben will. Sportlich fängt Bayern das auf. Für den Spieler wünscht man sich schlicht, dass es ohne Druck läuft.
Die eigentliche Gefahr für den Meister heißt Champions League. Wenn Kompany im Frühjahr rotieren muss, könnte die Liga kurz eng werden. Kurz. Nicht lange.
Dortmund, Leipzig, Leverkusen: Drei Verfolger, drei Baustellen
Der BVB hat den Supercup verloren, aber die zweite Halbzeit gewonnen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Emre Can fällt nach Kreuzbandriss monatelang aus, Nico Schlotterbeck rund zwei Monate, und der Umbruch mit Karetsas, Konstantelias und Fábio Silva sieht auf dem Papier jung, aber nicht stärker aus. Niko Kovac sitzt auf einem Stuhl, der bei einem Fehlstart schnell heiß wird. Platz zwei bleibt trotzdem realistisch – weil die Konkurrenz noch mehr Fragezeichen mitbringt.
Leipzig hat Ole Werner nach Platz drei entlassen. Man muss das zweimal lesen. Martín Demichelis übernimmt einen Champions-League-Kader mit dem Auftrag, eine “veränderte Herangehensweise” zu liefern – und der Manager, der ihn holte, hat den Konzern bereits verlassen. Das kann funktionieren. Es kann auch ein Herbst voller Nebengeräusche werden.
Leverkusen? Vierter Trainer seit Xabi Alonso. Carles Martínez Novell kommt aus Toulouse, Sky zufolge erst, nachdem Iraola und Filipe Luís abgesagt hatten. Der Anspruch heißt Top vier, das Gerüst wackelt seit zwei Jahren. Ich sehe die Werkself eher um Platz fünf als darüber.
Stuttgart, Hoffenheim, Frankfurt: Wer stört die Ordnung?
Sebastian Hoeneß hat aus Stuttgart einen Champions-League-Klub gemacht – zum zweiten Mal in drei Jahren. Deniz Undav führt jetzt als Kapitän, Demirović und Pejčinović streiten um den Platz daneben. Wenn der VfB heute in München nicht untergeht, ist er mein Favorit auf Platz drei. Die Doppelbelastung könnte im Winter bremsen, die Substanz reicht trotzdem für Europa.
Hoffenheim verpasste die Königsklasse am letzten Spieltag um Haaresbreite, Christian Ilzer steht laut Beobachtern dennoch unter Druck. Frankfurt startet mit Adi Hütter in seine zweite Amtszeit – ohne Brown, dafür mit Burkardt und Onyedika. Die Eintracht ist die Wundertüte dieser Saison: Platz vier oder Platz neun, beides passt ins Bild.
Der Keller: Schalke-Euphorie und Kölner Nervosität
Schalke ist zurück. Das Revierderby steigt am 12. Spieltag in Gelsenkirchen, und die Aufstiegsmannschaft geht mit ihrem Trainer in die Saison – wie Elversberg und Paderborn auch. Alle drei Aufsteiger halten an ihren Coaches fest, während fünf Etablierte gewechselt haben. Da steckt eine Botschaft drin.
Die heißesten Stühle stehen woanders. René Wagner in Köln rettete den FC in der Schlussphase, plant laut übereinstimmenden Berichten aber nur bei Klassenerhalt langfristig. Daniel Thioune in Bremen holte im April und Mai einen Sieg aus sieben Spielen. Merlin Polzin beim HSV, Mauro Lustrinelli bei Union: alle ohne Kredit, alle sofort im Feuer, wenn der September schiefgeht. Neun Trainerwechsel gab es in der Vorsaison. Ich tippe auf ähnlich viele.
Meine Absteiger: Paderborn, Elversberg und – ja – der 1. FC Köln. Schalke hält sich dank Stadion und Wucht. Bremen zittert bis Mai.
Los geht es heute um 20:30 Uhr in der Allianz Arena. Bayern gegen Stuttgart, Meister gegen Pokalfinalist. Wenn der VfB dort besteht, ist die erste These dieser Vorschau schon mal geknackt. Ich glaube es erst, wenn ich es sehe.