Zwei Wochen vor dem ersten Aufschlag ist die Absagenliste der US Open schon jetzt länger, als es den Veranstaltern lieb sein dürfte. Neun Spielerinnen und Spieler stehen bislang nicht mehr im Hauptfeld – und mit Sebastian Korda und Irina-Camelia Begu sind zuletzt zwei weitere Namen dazugekommen, die man in New York gerne gesehen hätte.
Bei Korda ist der Grund eine Rückenoperation. Der Amerikaner schleppte die Beschwerden schon länger mit sich herum und hat sich nun für den chirurgischen Weg entschieden. Begu fällt mit Problemen am linken Knie aus, die sie bereits seit Monaten aus dem Wettkampfbetrieb genommen haben. Beide Absagen kamen nicht völlig überraschend, machen das Bild aber nicht besser.
Absagenlisten sind für Wetten auf Grand Slams die wichtigste Information überhaupt. Jede Streichung verändert den Draw – und wer erst nach der Auslosung reagiert, wettet gegen einen Markt, der die Info längst eingepreist hat.

Korda und Begu: zwei Ausfälle mit Vorgeschichte
Sebastian Kordas Saison war ein Stop-and-Go. Immer wieder gab es Phasen, in denen der Rücken nicht mitspielte, immer wieder folgten Pausen, Comebacks und erneute Rückschläge. Dass er sich jetzt operieren ließ, ist deshalb weniger ein Rückschlag als eine Entscheidung, die man ohnehin irgendwann treffen musste. Für die US Open kommt sie zu spät, für den Rest seiner Karriere möglicherweise zum richtigen Zeitpunkt.
Irina-Camelia Begu fehlt bereits seit Monaten. Das linke Knie hat der Rumänin einen kompletten Abschnitt der Saison gekostet, ein Comeback ausgerechnet bei einem Grand Slam über zwei Gewinnsätze wäre auch ohne den Zeitdruck ein sportliches Risiko gewesen. Die Absage ist insofern die logische Konsequenz.
Zusammen mit den bereits zuvor gestrichenen Namen ergibt das eine Liste von neun Ausfällen – und das Meldeschluss-Prozedere ist noch nicht abgeschlossen. Erfahrungsgemäß kommen in den letzten Tagen vor der Auslosung noch weitere Rückzieher dazu, oft kurzfristig und oft nach den Vorbereitungsturnieren.
Fonseca und Rune: die offenen Fragezeichen
Besonders genau beobachtet wird der Fall João Fonseca. Der 19-jährige Brasilianer hat seine Teilnahme in Cincinnati abgesagt, nachdem er im Training Beschwerden an der linken Bauchseite gespürt hatte. Eine Bauchmuskelverletzung ist im Tennis eine der unangenehmsten Diagnosen überhaupt, weil sie direkt den Aufschlag betrifft und sich mit Schonung allein selten aussitzen lässt. Ob es für New York reicht, ist offen.
Holger Rune wiederum arbeitet weiter an seinem Comeback nach dem Kreuzbandriss, den er sich im Oktober beim Stockholm Open zugezogen hatte. Der Däne hat sich bislang geweigert, seine Meldung zurückzuziehen – ein Signal, das man durchaus als Kampfansage lesen kann. Realistisch bleibt aber die Frage, wie viel Wettkampfhärte nach einer solchen Verletzung in nur wenigen Wochen aufzubauen ist.
Darüber hinaus kursieren in mehreren Berichten Fragezeichen hinter den Startzusagen weiterer Topspieler. Belastbar bestätigt ist davon bislang nichts. Klar ist nur: Je näher die Auslosung rückt, desto schneller ändern sich diese Meldungen.
Wettblick: Warum die Absagenliste den Draw entscheidet
Für Grand-Slam-Wetten ist die Teilnehmerliste die zentrale Größe. Jeder gesetzte Spieler, der ausfällt, verschiebt die Setzliste nach oben und öffnet Lücken in einer Turnierhälfte. Wer dort landet, hat plötzlich einen deutlich einfacheren Weg ins Viertelfinale – und genau darauf reagieren die Buchmacher mit Verzögerung.
Praktisch heißt das: Die interessanten Quoten entstehen im Fenster zwischen den letzten Absagen und der offiziellen Auslosung. Danach ist die Information im Markt. Wetten auf Turniersieg, auf das Erreichen bestimmter Runden oder auf Halbfinalteilnahmen lassen sich in dieser Phase am ehesten mit einem echten Vorteil platzieren.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einer harten Absage und einem offenen Fragezeichen. Ein Spieler, der offiziell zurückgezogen hat, ist raus. Ein Spieler, der trotz Verletzungssorgen gemeldet bleibt, kann noch bis kurz vor dem Erstrundenspiel absagen – und dann wird es für alle unangenehm, die zu früh festgelegt haben.