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US Open ohne die Nummer eins: Sinner-Absage macht Zverev zum Topgesetzten

Dennis Buchbauer
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Vier Tage vor dem Start der US Open fehlt in New York ausgerechnet der Name, der auf jeder Setzliste ganz oben stehen sollte. Jannik Sinner, seit Monaten die unangefochtene Nummer eins der Tennis-Weltrangliste, hat seine Teilnahme am letzten Grand Slam des Jahres abgesagt. Verantwortlich ist das rechte Knie, das den Italiener seit Wochen ausbremst und ihn bereits die komplette nordamerikanische Hartplatzserie gekostet hat.

Es ist ein Einschnitt mit Seltenheitswert: Seit seinem Major-Debüt bei den US Open 2019 hat Sinner kein einziges Grand-Slam-Turnier ausgelassen. Für das Turnier in Flushing Meadows bedeutet der Verzicht nicht nur den Verlust des größten Zugpferds, er sortiert das gesamte Kräfteverhältnis neu. Und er schiebt einen Deutschen in eine Rolle, die er in seiner langen Karriere noch nie hatte.

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Wenn die Nummer eins fehlt, wird ein Grand Slam nicht kleiner, sondern unberechenbarer. Genau bei solchen Turnieren entstehen die Quoten, die man sich zweimal anschaut.

Sportwettenexperte & Autor
Dennis Buchbauer

Das Knie stoppt die Nummer eins

Sinner machte den Verzicht am vergangenen Freitag öffentlich. Man habe hart gearbeitet, mit dem Team und dem medizinischen Stab, und trotzdem die schwierige Entscheidung treffen müssen, in diesem Jahr nicht bei den US Open antreten zu können. In Monte Carlo sei er zuletzt wieder auf dem Platz gestanden und habe dabei gemerkt, dass er mehr Zeit brauche. Er sei sehr traurig und enttäuscht, schrieb der Weltranglistenerste, New York habe einen besonderen Platz in seinem Herzen.

Die Vorgeschichte zieht sich durch den gesamten Sommer. Nach dem Wimbledon-Triumph im Juli, seinem fünften Major-Titel und einem Finalsieg gegen Alexander Zverev, hat Sinner kein einziges Match mehr bestritten. Erst kam der Rückzug vom Masters in Toronto, zunächst nur mit gesundheitlichen Gründen begründet. Am 9. August folgte die Absage für Cincinnati, dort wurde das rechte Knie erstmals offen benannt. Auch für den Mixed-Wettbewerb in New York stand er nicht zur Verfügung.

Eine präzise Diagnose hat sein Lager bis heute nicht veröffentlicht. Aus dem Umfeld hieß es lediglich, ein operativer Eingriff sei nicht nötig. Ein Knie, das nach mehr als sechs Wochen Pause einen Trainingsblock in Monte Carlo nicht übersteht, ist allerdings kein Problem, das sich in wenigen Tagen auflöst. Sinners Team will in Europa bleiben und die Asien-Tour mit Peking und Shanghai anpeilen. Ein bestätigtes Comeback-Datum gibt es nicht, nur eine Absichtserklärung.

Zverev erstmals topgesetzt bei einem Grand Slam

Der große Profiteur der Absage heißt Alexander Zverev, zumindest auf dem Papier. Der Hamburger ist am Montag auf Rang zwei der Weltrangliste geklettert und geht damit erstmals in seiner Karriere als Topgesetzter in ein Grand-Slam-Turnier. Für einen Spieler, der seit Jahren an der Schwelle zur absoluten Weltspitze steht und in New York schon ein Finale verloren hat, ist das eine Premiere mit Symbolkraft.

An der Spitze der Rangliste ändert die Absage dagegen wenig. Sinner geht mit einem Polster von rund 5.000 Punkten in das Turnier, verliert durch das Fehlen die 1.300 Zähler seiner Finalteilnahme von 2025 und bleibt trotzdem klar die Nummer eins. Selbst ein Titelgewinn von Zverev in Flushing Meadows würde daran nichts ändern, der Rückstand bliebe vierstellig. Wer auf einen Wechsel an der Spitze der Weltrangliste im September spekuliert, spekuliert gegen die Mathematik.

Spannender ist das Race to Turin. Dort führt Sinner nur mit rund 1.300 Punkten Vorsprung, und jede Woche ohne Match kostet ihn Substanz. Gewinnt Zverev die US Open, übernimmt er die Führung im Rennen um die ATP Finals und hätte die beste Ausgangsposition auf die Jahresendnummer eins. Zverev hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass genau dieses Ziel noch offen auf seiner Liste steht.

Alcaraz kehrt zurück, Djokovic wittert die 25

Die zweite große Geschichte des Turniers ist eine Rückkehr. Carlos Alcaraz, Titelverteidiger in New York und Sieger der Australian Open 2026, hat seit April kein offizielles Match mehr gespielt. Beim Turnier in Barcelona zog er sich eine Handgelenksverletzung zu, die ihn mehr als vier Monate aus dem Verkehr zog. Nun steigt er ausgerechnet bei einem Major wieder ein, an dem Ort, an dem er im Vorjahr Sinner im Finale bezwungen hat.

Damit treffen in New York drei sehr unterschiedliche Formkurven aufeinander. Alcaraz kommt ohne Matchpraxis, aber mit dem Selbstverständnis eines Spielers, der in diesem Jahr bereits den Karriere-Grand-Slam komplettiert hat. Zverev hat 2026 mit dem Titel bei den French Open endlich sein erstes Major gewonnen und in Wimbledon das Finale erreicht, er ist konstant wie nie. Und Novak Djokovic, dessen Jagd nach dem 25. Grand-Slam-Titel längst zur Dauererzählung geworden ist, findet ein Feld vor, in dem der stärkste Gegner der vergangenen zwei Jahre schlicht fehlt.

Der frühere US-Open-Finalist Greg Rusedski hat Sinners Entscheidung als klug eingeordnet, der Italiener denke an das kommende Jahrzehnt. Gleichzeitig nannte Rusedski das Fehlen des Weltranglistenersten einen schweren Schlag für das Turnier. Beides trifft zu.

Wettblick: Ein Major ohne Fixpunkt

Für den Wettmarkt war die Absage eine kleine Zäsur. Sinner war vor seinem Rückzug der leichte Favorit auf den Titel, seine Quote verschwand mit der Meldung schlagartig aus den Boards. Alcaraz rückte an die Spitze der Favoritenliste und wurde spürbar kürzer gehandelt, obwohl er seit April kein Match bestritten hat. Am deutlichsten aber bewegte sich Zverev: Seine Titelquote fiel klar zusammen, weil ihm nun die günstigere Setzliste und der Wegfall des unangenehmsten Gegners in die Karten spielen.

Genau hier lohnt der zweite Blick. Ein Feld ohne dominierenden Fixpunkt wird von Buchmachern flacher bewertet, die Spitzenquoten liegen enger beieinander und die Außenseiter rücken heran. Namen wie Taylor Fritz, Ben Shelton oder Félix Auger-Aliassime stehen deutlich weiter vorne als in einem Turnier mit klarer Hierarchie.

Bei Alcaraz gilt die übliche Vorsicht nach langer Pause. Vier Monate ohne Wettkampf sind auch für einen Ausnahmespieler kein Detail, ein Grand Slam über fünf Sätze ist der härteste denkbare Wiedereinstieg. Seine Quote spiegelt vor allem den Namen, nicht zwingend den aktuellen Zustand. Zverev wiederum trifft auf die Erwartungshaltung, die zu einem Topgesetzten gehört, und dieser Druck war in seiner Karriere schon öfter ein Faktor.

Klar ist nur: Diese US Open werden anders als geplant. Der Spieler, der die vergangenen zwei Saisons geprägt hat, sitzt in Europa und arbeitet an einem Knie, über das kaum jemand Genaues weiß. Zurück bleibt ein Turnier, das seinen Sieger auf offenem Feld sucht und dabei mehr Geschichten produzieren dürfte als eine weitere Auflage des gewohnten Duells an der Spitze.

Dennis Buchbauer

Hi, ich bin Dennis – Experte für Predictive Analytics und Sportwetten. Seit über 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Sportwetten und der Frage, wie sich Daten in fundierte Vorhersagen verwandeln lassen. Auf Wette.de bin ich für die Testberichte sowie die Sportwetten-Strategien zuständig. Jeden Wettanbieter teste ich aus echter Spielersicht – ich schaue mir nicht nur die Webseite an, sondern wette tatsächlich selbst. Mein Hintergrund in Consumer Behavior Prediction und Event Forecasting fließt dabei direkt in meine Analysen und Wetttipps ein.