Zwei Gürtel in einer Gewichtsklasse sind für die UFC kein Zustand, sondern ein Problem. Je länger die Vereinigung dauert, desto mehr verliert der Titel an Bedeutung.

Vier Augen-OPs und ein Vorwurf, der nicht verschwindet
Rückblende auf den 25. Oktober 2025. Tom Aspinall verteidigt in Abu Dhabi bei UFC 321 erstmals den unumstrittenen Schwergewichtstitel gegen Ciryl Gane. In der ersten Runde greift der Franzose dem Briten mehrfach ins Auge. Aspinall kann nicht weitermachen. Das offizielle Urteil: No Contest, ein versehentlicher Foul.
Aspinall sieht das anders. Er hat den Vorfall wiederholt als absichtlich eingeordnet und Gane öffentlich als Betrüger bezeichnet. Es folgten Operationen an beiden Augen im Februar, monatelanges Warten auf Tiefenschärfe und Sichtfeld. Ende Juni meldete er sich zurück: volles Training, Gespräche mit der UFC.
Paris war die Lösung – und ist es nicht mehr
Während Aspinall ausfiel, schuf die UFC Fakten. Am 14. Juni schlug Gane auf dem Südrasen des Weißen Hauses bei UFC Freedom 250 Alex Pereira per TKO in Runde zwei und holte sich den Interimstitel. Direkt danach forderte er den Champion – Paris, September, Accor Arena. Aspinall antwortete per Instagram-Video und sagte zu.
Dann kam die Realität. Der 5. September in Paris ist inzwischen anderweitig besetzt, das Main Event ging an die Leichtgewichte. Und Aspinalls Manager Eddie Hearn, der britische Box-Promoter und erklärte Dana-White-Rivale, kritisiert den bestehenden UFC-Vertrag seines Klienten seit Wochen öffentlich als unangemessen. Er hat angekündigt, Aspinall zu diesen Konditionen nicht antreten zu lassen.
Dana White wiederum reagierte nach Ganes Sieg auffällig kühl auf die Frage nach dem Rematch – er denke darüber gerade nicht nach.
Womit die Gewichtsklasse dort steht, wo sie seit Monaten steht: Ein Champion ohne Kampf. Ein Interimschampion, der wartet. Ein Vertragsstreit, der öffentlich ausgetragen wird. Und eine Vorgeschichte, die jedes Aufeinandertreffen zusätzlich auflädt.
Das nächste UFC-Event am Samstag in Sacramento wird die Frage nicht beantworten. Dort steht ein Mittelgewichtsduell zwischen Anthony Hernandez und Gregory Rodrigues im Zentrum. Für das Schwergewicht bleibt nur eins: warten, bis jemand unterschreibt.