Der Kampf gegen Price scheitert nicht am Willen der Boxerinnen, sondern an zwei Klassen Gewichtsunterschied.

Sechs Runden Geduld, dann der Abbruch
In der State Farm Arena in Atlanta wollte Shields den Knockout. Bekommen hat sie am Ende einen technischen K.o. – Scotts Ecke warf mehrere Handtücher in den Ring, Ringrichter Joel Scobie brach nach 1:38 Minuten der sechsten Runde ab.
Der Weg dorthin war zäher als erwartet. Fünf Runden lang bekam Shields die 42-jährige Australierin nicht ernsthaft in Schwierigkeiten, obwohl sie das Schlagvolumen kontrollierte und Scotts Stirn früh zeichnete. Also änderte sie den Plan und investierte in den Körper. Das zahlte sich aus: In Runde sechs landete ein linker Haken, gefolgt von einer rechten Überhand, Scott taumelte in die Seile, Scobie zählte an. Kurz darauf war Schluss.
Es ist erst der vierte Abbruchsieg in Shields’ Profikarriere und ihr erster seit Juli 2024. Ihre Bilanz steht bei 19-0. Scott, die die Gürtel im Dezember gegen Olivia Curry gewonnen hatte, verlor sie in ihrer ersten Verteidigung.
Der Gewichtssturz – und was jetzt kommt
Die eigentliche Leistung fand vor dem Kampf statt. Shields ist amtierende unumstrittene Weltmeisterin im Schwergewicht. Für Atlanta stieg sie drei Gewichtsklassen ab, zum ersten Mal seit 2023 wieder ins Mittelgewicht. Vor 14 Wochen wog sie 198 Pfund, am Wiegetag 160 – rund 17 Kilogramm weniger. Sie selbst nannte es das disziplinierteste Camp seit ihrer Olympiazeit.
Ein Detail sollte man richtig einordnen: Shields hält im Mittelgewicht die Gürtel der WBC und der WBA. Die Titel von IBF und WBO liegen bei der Kanadierin Tamm Thibeault. Unumstritten ist auf 160 Pfund im Moment niemand.
Genau deshalb ist der Name, den Shields nach dem Kampf am lautesten rief, ein anderer. Lauren Price, 10-0, hält die vereinigten Weltmeistertitel im Weltergewicht und ist wie Shields Olympiasiegerin. Die Waliserin hat laut ihrem Umfeld grundsätzlich zugestimmt, ins Mittelgewicht hochzugehen – zwei Klassen nach oben. Unterschrieben ist nichts.
Shields’ Promoter Dmitriy Salita bestätigte gegenüber Sky Sports, dass verhandelt wird. Ein gemeinsames Treffen der beiden Boxerinnen nach dem Kampf kam nicht zustande. Shields peilt einen Termin zwischen Dezember und Januar an und deutete an, dass ein Rückkampf in Großbritannien stattfinden könnte.
Ob es dazu kommt, entscheidet sich in den kommenden Wochen am Verhandlungstisch. Bis dahin gilt: Zwei Olympiasiegerinnen, zwei ungeschlagene Bilanzen, null Unterschriften.