Dana White ist die Sache sichtlich leid. Der UFC-Boss hat die Fernseh- und Venue-Deals für den Schwergewichtskampf zwischen Anthony Joshua und Tyson Fury eingetütet – und trotzdem steht der Kampf noch immer nicht. Seine Botschaft an beide Lager fällt entsprechend deutlich aus.
„Sie wollen kämpfen oder sie wollen nicht”, so der Tenor seiner jüngsten Aussagen. Es sei viel Geld im Spiel, die Rahmenverträge stünden, der Rest liege bei den Boxern. Und dann noch der Satz, der in England für Diskussionen sorgte: Dieser Kampf hätte vor zehn Jahren stattfinden müssen.
Bei diesem Kampf wetten viele auf die Ankündigung, nicht auf das Ergebnis. Solange kein Vertrag unterschrieben ist, sind Quoten auf einen Termin reine Spekulation – hier lohnt Geduld deutlich mehr als Schnelligkeit.

Der Streitpunkt heißt Austragungsort
Am Geld scheitert es offenbar nicht. Der Knackpunkt ist die Frage, wo gekämpft wird. New York wurde mehrfach als Schauplatz gehandelt, während Joshuas Lager auf einen Kampf im Vereinigten Königreich pocht.
Promoter Eddie Hearn hat diese Position zuletzt bekräftigt und verweist auf die vertragliche Konstruktion auf Joshuas Seite. Demnach sei nicht nur der Standort festgelegt, sondern auch, wer den Abend nicht promoten darf.
Damit sind zwei wirtschaftliche Logiken frontal aufeinandergeprallt. Ein Kampf in den USA verspricht andere Pay-per-View-Erlöse und ein anderes Sponsorenumfeld als ein Stadionabend in England. Beide Seiten rechnen sich ihre Variante schön, und genau das blockiert seit Wochen den Abschluss.
Whites merkwürdige Rolle im Hintergrund
Pikant ist, dass Joshuas Vertrag eine Klausel enthalten soll, die White als Promoter des Kampfes ausdrücklich ausschließt. Trotzdem hat er nach eigener Darstellung im Hintergrund an der Vermarktung gearbeitet und die zentralen Deals angeschoben.
Das erklärt einen Teil seiner Frustration. Wer die schwierigsten Bausteine liefert und am Ende nicht offiziell mitwirken darf, während der Kampf weiter in der Warteschleife hängt, hat wenig Grund zur Zurückhaltung. Öffentlicher Druck ist in solchen Konstellationen ein bewährtes Mittel.
Parallel deuteten White und Fury zuletzt eine gemeinsame Ankündigung an, ohne Details zu nennen. Das hat die Gerüchteküche zusätzlich angeheizt – auch wenn völlig offen ist, ob das überhaupt mit dem Joshua-Kampf zu tun hat.
Eine Paarung, die ihren besten Moment verpasst hat
Whites Seitenhieb auf die verlorenen zehn Jahre trifft einen wunden Punkt. Zwischen 2017 und 2019 waren beide Briten auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, hielten Gürtel und hätten ein Wembley-Stadion mühelos gefüllt. Damals scheiterte es an konkurrierenden TV-Verträgen und Promoter-Interessen.
Seitdem haben beide Niederlagen kassiert, Fury seine Rücktritte inszeniert und Joshua mehrere Neuanfänge hinter sich gebracht. Sportlich ist der Kampf heute schwerer einzuordnen als je zuvor – kommerziell bleibt er trotzdem einer der größten Abende, die das Boxen aktuell aufbieten kann.
Genau darin liegt das Problem. Solange sich der Kampf auch ohne aktuelle Titel verkaufen lässt, gibt es für keine Seite echten Druck, bei den Konditionen nachzugeben. Wer nichts zu verlieren hat, verhandelt hart.
November als Zielmarke – mit vielen Fragezeichen
Als grober Zeitrahmen kursiert der November. Für einen Kampf dieser Größenordnung ist das sportlich machbar, organisatorisch aber sportlich: Stadionbuchung, Werbekampagne, TV-Fenster und Trainingslager brauchen Vorlauf, und der schrumpft mit jeder Woche ohne Unterschrift.
Frank Warren, der auf Furys Seite steht, hat sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass es 2026 klappt. Solche Aussagen begleiten diese Paarung allerdings seit Jahren, ohne dass jemals ein Termin daraus geworden wäre.
Der Wettblick: Warum Vorsicht angebracht ist
Für Wettende ist die Lage unangenehm. Kampfquoten sind bei den meisten Anbietern längst gelistet, weil das Interesse riesig ist – aber sie beziehen sich auf ein Ereignis, für das kein unterschriebener Vertrag existiert. Kommt der Kampf nicht zustande, werden die Wetten annulliert, das Geld ist über Monate gebunden.
Wer trotzdem einsteigen will, sollte bewusst auf Anbieter setzen, die klare Regeln für nicht stattfindende Events haben, und lieber warten, bis Ort und Datum offiziell sind. Erfahrungsgemäß verschieben sich die Quoten nach einer Vertragsunterschrift ohnehin noch einmal deutlich – dann aber auf einer belastbaren Grundlage.