2014 war auch nicht alles perfekt – und am Ende hieß es trotzdem Weltmeister. Manchmal muss ein Turnier erst wackeln, bevor es wirklich läuft. Ich tippe auf Deutschland.
Dasselbe Turnier, zwölf Jahre später
Das 1:2 gegen Ecuador hat gewirkt. Nicht als Krise – als Wachrüttler. Genau das war das zähe 2:2 gegen Ghana damals in Brasilien auch. Ein Ergebnis, das wehtut, ohne zu schaden. Das DFB-Team hatte den Gruppensieg längst in der Tasche. Was fehlte: Konzentration, Schärfe, Stabilität in Umschaltsituationen. Nagelsmann weiß das. Seine Aufgabe bis zum Achtelfinale – vermutlich gegen Frankreich – ist jetzt dieselbe, die Joachim Löw 2014 hatte: justieren, nicht revolutionieren.
Die Parallelen gehen tiefer als ein ähnliches Zwischenergebnis. Manuel Neuer steht mit 40 Jahren immer noch im Tor. 127 Länderspiele, unerschütterliche Präsenz – er ist das Fundament dieser Mannschaft, so wie er es vor zwölf Jahren in Rio war. Joshua Kimmich und Antonio Rüdiger bilden das taktische und emotionale Rückgrat, vergleichbar mit Philipp Lahm und Mats Hummels. Führungsspieler, die Verantwortung nicht suchen müssen – sie tragen sie einfach.
Vorne brennt das Duo Musiala-Wirtz. Jamal Musiala zieht, täuscht, beschleunigt. Florian Wirtz denkt einen Schritt früher als fast jeder Gegner auf diesem Turnier. 2014 war es Müller und Götze, die Außenseiter rätsellos zurückließen. Dieselbe Energie, andere Namen.
Der Kader hat Tiefe – und das ist kein Zufall
Was 2014 Miroslav Klose für die entscheidenden Momente lieferte, leistet heute ein Duo: Kai Havertz als gesetzter Stürmer mit dem richtigen Instinkt im Strafraum, Deniz Undav als Joker mit echter Torgefahr. Zwei Treffer gegen die Elfenbeinküste, beide in der zweiten Halbzeit. Kein Glamour – pure Effizienz. Nagelsmann hat Optionen, und er weiß, wie er sie einsetzt.
Der Turnierbaum ist kein Geschenk. Paraguay heute Nacht, danach mit hoher Wahrscheinlichkeit Frankreich. 2014 war es das Viertelfinale gegen die Franzosen, das Deutschland zum ersten Mal wirklich auf die Probe stellte – und das die Mannschaft bestand. Das DFB-Team lernte damals unter Druck, wuchs unter Druck. Der Rohstoff dafür ist in diesem Kader wieder vorhanden.
Deutschland WM 2026 als Weltmeister? Die Vorzeichen sind da. Der Kader ist da. Das Skript – erschreckend vertraut.