Tebas sitzt in seiner letzten Amtszeit und muss niemanden mehr bei Laune halten. Genau deshalb sagt er, was zwanzig andere Liga-Chefs nur denken.

Infantino postet, Tebas kontert
Angefangen hat es Infantino selbst. Der FIFA-Präsident meldete sich nach dem Turnier auf Instagram zu Wort, sprach von der herausragendsten Weltmeisterschaft der Geschichte und erklärte, viele Kritiker hätten das Turnier verpasst, weil sie von Hass erfüllt gewesen seien. Die Welt brauche Liebe, keine Spaltung.
Tebas antwortete auf X. Trocken. Niemand bestreite, dass Fußball Menschen verbinde und Emotionen wecke, schrieb er. Aber Transparenz, gute Führung und Rechenschaftspflicht seien „niemals Hass, sondern eine Verpflichtung”. Starke Institutionen würden Menschen, die berechtigte Fragen stellen, nicht diskreditieren. Sie würden antworten.
Und dann setzte er den Satz hinterher, der seitdem durch die Verbandsflure geistert: „Geschieht etwas, das wir nicht wissen?”
Das ist keine Nachfrage. Das ist eine Unterstellung mit Fragezeichen – und Tebas weiß das ganz genau.
Der Groll sitzt tiefer als ein einzelnes Finale
Wer glaubt, hier gehe es um verletzte Gefühle nach einem chaotischen Endspiel, hat die Vorgeschichte nicht gelesen. Tebas war in New York, feierte den spanischen Titel mit – und ging danach in der Gazzetta dello Sport frontal auf den Weltverband los.
Die FIFA organisiere alles nach eigenen Vorstellungen und zum eigenen Vorteil, nicht zum Wohl des Fußballs, sagte er. Eine 27-minütige Unterbrechung sei ohne jede Rücksprache durchgewinkt worden. Die Trinkpausen nannte er einen Witz, in vielen Stadien habe er sich einen zusätzlichen Pullover anziehen müssen. Zur geplanten Aufstockung auf 64 Teams: Die nationalen Ligen seien es, die diesen Sport am Leben hielten.
Der Satz, der hängen bleibt: „Infantino muss gehen, seine Zeit ist abgelaufen.”
Dazu ein Vorwurf an die eigene Zunft. Viele hätten in Amerika gegen Infantino protestiert, sagt Tebas, doch geredet werde mehr als gehandelt. Schweigen sei Mittäterschaft.
Warum ausgerechnet er so laut wird, lässt sich erklären. Tebas führt LaLiga seit 2013, seine vierte Amtszeit läuft bis 2027, danach ist Schluss. Er braucht keine Stimmen mehr und keine Freunde in Zürich.
Die Kulisse hilft ihm zusätzlich. Der Weltverband ermittelt gerade gegen Argentinien wegen der Szenen nach dem Finale – während ein Glückwunschschreiben Infantinos an den argentinischen Verbandschef öffentlich wurde, in dem von Professionalität die Rede ist. Ein Beweis für gar nichts. Aber ein Grund, warum „Transparenz” in diesen Tagen das meistbenutzte Wort im Weltfußball ist.
Infantino hat bisher nicht geantwortet. Es wäre auch schwierig.