Was Spanien da abliefert, hat mit Glück nichts zu tun. Ein Gegentor im ganzen Turnier, nie in Rückstand – so sieht Dominanz aus, wenn man sie über Jahre aufbaut. Diese Ära fängt gerade erst an.

Zwei Millionen Fans, ein Pokal: Madrid steht kopf
Der Montag nach dem Finale gehörte komplett der Selección. Kapitän Rodri trug den Pokal die Flugzeugtreppe hinunter, als hielte er ein rohes Ei. Danach lief das volle Staatsprogramm: Empfang bei König Felipe VI., Höflichkeitsbesuch bei Ministerpräsident Pedro Sánchez, offener Bus durchs Zentrum. Endstation Cibeles-Brunnen – dort, wo Madrid seit Jahrzehnten seine größten Fußballnächte feiert.
Rund zwei Millionen Menschen gingen nach offiziellen Angaben auf die Straßen. Allein an der Cibeles drängten sich 120.000 Fans in Rot. Als der Name Lamine Yamal aufgerufen wurde, brach der Jubel los, bevor der 19-Jährige überhaupt die Bühne betrat. Ferran Torres, der Mann des goldenen Tores aus der 106. Minute, bekam die zweitlauteste Ovation des Abends.
Und die Feier rollt weiter. In Sevilla, Barcelona, Valencia – überall dieselben Bilder. Rote Trikots, Hupkonzerte, Tränen.
Weltmeister mit Ansage: Warum dieser Titel mehr ist als ein Pokal
Die nüchternen Zahlen erklären die Ekstase. Spanien spielte acht Turnierspiele, gewann sieben, kassierte ein einziges Gegentor. Kein Weltmeister der Geschichte war defensiv stabiler. Dazu die individuellen Auszeichnungen: Rodri als MVP, Pau Cubarsí als bester junger Spieler, Unai Simón als bester Torwart. Drei Trophäen, ein Muster.
Europameister 2024, Weltmeister 2026 – und bei den Frauen hält Spanien den WM-Titel ebenfalls. Kein anderes Land dominiert den Fußball aktuell auf dieser Breite. Die Frage ist längst nicht mehr, ob La Roja eine Ära prägt. Die Frage ist, wie lange sie dauert.
Argentinien? Kam im Finale über 120 Minuten auf anderthalb Torschüsse. Messis Traum vom zweiten Stern endete sitzend auf dem Rasen von East Rutherford. Hart. Aber verdient war dieser spanische Triumph bis in die letzte Minute.