Solange Verstappen schweigt, kann kaum ein Team planen. Russell, Piastri, Alonso, die zweiten Cockpits bei Haas und Racing Bulls – alles hängt an einem Namen. Wer jetzt Verträge unterschreibt, unterschreibt blind. Genau deshalb wird gewartet.

Rang sechs, 91 Punkte Rückstand – und ein offener Vertrag
Die Zahlen erklären, warum aus einer Formalie eine Machtfrage wurde. Nach elf von 23 Rennen liegt Verstappen mit 109 Punkten auf Rang sechs, 91 Zähler hinter WM-Führendem Kimi Antonelli. Red Bull ist in der Konstrukteurswertung nur vierte Kraft – hinter Mercedes, Ferrari und McLaren.
Für einen Fahrer, der vier Titel in Serie gewonnen hat, ist das eine Zumutung. Und er hat es sich vertraglich abgesichert.
Im Vorjahr reichte Platz drei zum Stichtag. Für 2026 hatte sein Management die Hürde verschärft: Rang zwei musste her. Red Bull verfehlte das Ziel deutlich, obwohl der Vertrag eigentlich bis Ende 2028 läuft. Sein Manager Raymond Vermeulen hatte zuvor bekräftigt, man wolle den Weg mit Red Bull fortsetzen – „aber natürlich mit der Möglichkeit zu gewinnen”. Ein Bekenntnis für 2027 klingt anders.
Ein Angebot bis 2033 – und ein Fahrer, der nur ein Jahr will
Red Bull legt nach. Der langjährige Formel-1-Journalist Ralf Bach berichtete gegenüber „f1-insider” von einem frischen Fünfjahresvertrag, der Verstappen bis 2033 binden würde. Der Niederländer soll darauf wenig Lust haben: Er wolle seine Ausstiegsklausel nicht verkaufen und allenfalls über ein Jahr verlängern. Bestätigt hat das weder das Team noch das Management – der Bericht steht bislang allein.
Sollte das stimmen, wäre 2027 für Red Bull ein Jahr ohne Netz. Entweder das Auto gewinnt wieder, oder der Rennstall verliert seinen erfolgreichsten Fahrer.
Der Rest des Feldes hängt mit dran. Bei Racing Bulls werden die Cockpits ohnehin nur für ein Jahr vergeben, Lawson und Lindblad haben nichts für 2027. Bei Haas ist offen, wie lange Bearman und Ocon gebunden sind. Alonso lässt seine Zukunft ebenfalls offen. Nur Cadillac hat mit Bottas und Perez bis mindestens Ende 2027 klare Verhältnisse.
Am Freitag beginnt in Zandvoort die zweite Saisonhälfte – vor Verstappens Heimpublikum, an einem Sprint-Wochenende. Passenderer Ort für eine Ansage lässt sich schwer finden.