Antonellis Vorsprung ist solide. Sein Risiko sitzt neben ihm in der Garage, nicht 50 Punkte dahinter.

Antonelli führt, Hamilton lauert, Norris kommt von weit hinten
Elf von 23 Rennen sind gefahren, und die Rangliste liest sich anders, als es die Schlagzeilen aus Budapest vermuten lassen. Andrea Kimi Antonelli führt mit 219 Punkten. Dahinter Lewis Hamilton mit 169, George Russell mit 160, Charles Leclerc mit 138. Erst dann folgt der amtierende Weltmeister: Lando Norris, 128 Zähler, Rang fünf. Max Verstappen ist Sechster mit 109.
91 Punkte Rückstand bei zwölf ausstehenden Rennen. Rechnerisch lebt Norris’ Titelverteidigung, praktisch braucht sie eine Serie, die McLaren in diesem Jahr noch nie gezeigt hat.
Was den Briten trotzdem zum Thema macht: Er hat in Ungarn gewonnen, mit 15 Sekunden Vorsprung auf Verstappen, und Antonelli von der Spitze verdrängt. Mercedes wies seinem Führenden per Funk an, das Duell nicht zu suchen – eine Ansage, die mehr über die WM-Lage verrät als jedes Interview. Antonelli fuhr von Startplatz sieben auf Rang drei. Nach einer Startplatzstrafe.
Mercedes dominiert, Ferrari verliert Punkte an der Boxengasse
Acht Siege aus elf Rennen, 379 Punkte in der Konstrukteurswertung, 72 Zähler Vorsprung auf Ferrari – das neue Reglement hat Mercedes einen Vorteil beschert, den bislang niemand egalisiert. McLaren liegt mit 220 Punkten auf Rang drei, Red Bull mit 177 dahinter.
Ferraris Problem ist hausgemacht. Hamilton kassierte in Ungarn eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse und fiel von Platz vier auf fünf zurück – die vierte Strafe in drei Rennen. Wer 50 Punkte aufholen will, kann sich so etwas exakt null Mal leisten.
Und Russell? Der Brite verlor am Start zwölf Positionen und kam als Siebter ins Ziel. Zu Verstappen auf Rang sechs ist er inzwischen näher dran als zu seinem eigenen Teamkollegen. Ein Fahrer, der die Saison als Titelfavorit begann, sortiert sich gerade im Mittelfeld der Spitzengruppe ein.
Bleibt der Blick nach vorn. Antonelli ist 19 und der jüngste WM-Führende der Formel-1-Geschichte. Zwölf Rennen unter Dauerdruck hat er noch nie erlebt. Genau da liegt die interessante Frage dieser zweiten Saisonhälfte – nicht bei der Frage, ob Mercedes das schnellste Auto stellt.
Am 21. August beginnt in Zandvoort das erste Trainingswochenende nach der Pause. Ein Kurs, auf dem Überholen schwerfällt und die Qualifikation fast alles entscheidet.