Gatti hat in seiner Karriere deutlich mehr Grätschen ausgeteilt als kassiert. Dass ihn ausgerechnet ein rutschender Anhänger stoppt, ist bitter komisch – für Spalletti ist es vor allem eine unnötige Baustelle.

Platzsturm im Allianz Stadium: Fan räumt Gatti von hinten ab
Montagabend, Allianz Stadium. Juventus gegen die eigene Next Gen, das traditionelle Schaulaufen zum Ende der Vorbereitung. Über 23.000 Zuschauer, gute Laune, alles harmlos. Dann, noch vor dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit, halten die Ordner dem Andrang nicht mehr stand. Die Fans fluten den Rasen. Laut Tuttosport der früheste Platzsturm in der 67-jährigen Geschichte dieses Termins. Rekord ist Rekord.
Weiter gespielt wurde nicht.
Mittendrin: Federico Gatti, der mit dem Rücken zur heranstürmenden Menge Richtung Kabine trottete, während einige Mitspieler schon sprinteten. Ein Fan setzte zum Endspurt an, verlor auf dem Grün die Balance und rutschte dem Innenverteidiger von hinten in die Beine. Gatti kippte nach hinten weg. Das Video war binnen Minuten überall.
Kurz einordnen: Gatti ist der Mann, der normalerweise die Grätschen verteilt, nicht einsammelt. Ein italienisches Blatt vergab für die Aktion sinngemäß Orange statt Gelb. Man kann darüber lachen. Spalletti tat es eher nicht – der Coach ließ durchblicken, dass ihm der ganze Vorgang gehörig gegen den Strich ging.
Frosinone am Sonntag: Gatti trainiert noch individuell
Am Abend selbst hieß es aus Turin: nichts passiert, alles gut. Zwei Tage später klingt das deutlich vorsichtiger. Der Knöchel zwickt weiter, Gatti absolviert Einzeleinheiten und ist noch nicht zurück in der Gruppe. Ein offizielles Bulletin des Klubs gibt es nicht, italienische Medien berichten übereinstimmend von einer harmlosen, aber lästigen Blessur.
Das Timing ist das eigentliche Problem. Juve eröffnet die Saison am Sonntag um 18:30 Uhr beim Aufsteiger Frosinone – bis dahin bleiben Gatti genau drei Trainingstage, um sich Spalletti anzubieten. Gelingt das nicht, wird das Heimspiel gegen Parma am 29. August zum neuen Ziel.
Dazu kommt: Ganz frisch war der Verteidiger ohnehin nicht. Anfang August hatte er wegen muskulärer Probleme im rechten Oberschenkel schon das Testspiel gegen Inter in Perth verpasst. Ein Knöchel, der jetzt auch noch meldet, hilft da wenig.
Bleibt eine Frage, die sich Turin für die kommenden Wochen stellen sollte: Wie viele Ordner braucht man eigentlich, um 23.000 gut gelaunte Menschen aufzuhalten? Sonntagabend in Frosinone dürfte ein bestimmter Anhänger jedenfalls mit ungewöhnlich viel Anteilnahme vor dem Fernseher sitzen.