Im Januar klang es noch so, als müsste Goretzka niemanden anrufen. Jetzt klingeln seine Berater in Barcelona, und Deco legt auf. Sieben Millionen netto plus Handgeld für einen Spieler ohne Verein – diesen Wunsch müsste Flick schon sehr laut äußern.

De Jongs Knie als Türöffner
Der Anlass für den neuen Vorstoß liegt im Lazarett. Frenkie de Jong zog sich bei der Weltmeisterschaft einen Innenbandriss im Knie zu und fällt Berichten zufolge rund vier Monate aus. Fermín López arbeitet nach einem Mittelfußbruch, der ihn ebenfalls das Turnier kostete, noch am Comeback. Ein Loch auf der Sechs, ein vereinsloser Nationalspieler mit Champions-League-Erfahrung. Die Rechnung liegt auf der Hand.
Nur stellt sie offenbar niemand in Barcelona auf. Transferexperte Matteo Moretto berichtet, Goretzkas Berater hätten ihn den Katalanen abermals angeboten – die Idee komme aus dem Lager des Spielers. Sportdirektor Deco soll abgeblockt haben, wie schon in den Wochen davor. Laut „Mundo Deportivo” sieht der Klub im Zentrum keinen dringenden Bedarf, selbst dann nicht, falls Marc Casadó diesen Sommer noch wechseln sollte.
Barcelonas Priorität liegt woanders. Nach Robert Lewandowskis Abschied fehlt ein Mittelstürmer, Julián Álvarez gilt als Wunschlösung, Atlético Madrid lehnte ein Angebot über 100 Millionen Euro ab. Ein 30-jähriger Sechser passt in diese Planung ungefähr so gut wie ein zweiter Torwart.
Sieben Millionen netto, zehn Millionen Handgeld
Dazu kommen die Zahlen. Dem Vernehmen nach fordert Goretzka ein Jahresgehalt von sieben Millionen Euro netto und ein Handgeld von rund zehn Millionen. Für einen Klub, der seit Jahren jeden Cent an der Gehaltsobergrenze abwägt, ist das eine steile Ansage von jemandem, der aktuell keinen Vertrag hat.
Das sportliche Argument bleibt Hansi Flick. Zwischen 2019 und 2021 arbeiteten beide beim FC Bayern zusammen, Goretzka kam in dieser Zeit auf 64 Einsätze, steuerte 15 Tore und 18 Vorlagen bei und war beim Triple 2020 auf der Doppelsechs eine tragende Säule. Später folgte die gemeinsame Zeit in der Nationalmannschaft. Berichten zufolge soll Goretzka Flick schon im Dezember per SMS kontaktiert haben.
Und hier wird es unangenehm. Ende Januar dementierte Goretzka in der „Zeit” jeden Kontakt und erklärte, so etwas sei nicht nötig, das solle nicht arrogant klingen. Ein halbes Jahr später bieten seine Berater ihn in Barcelona an. Entweder waren die Berichte damals korrekt, oder der Markt ist seither deutlich kälter geworden. Beides erzählt dieselbe Geschichte.