Ein Verband, der Klimaschutz auf Banner druckt, und ein Präsident, der 113.000 Kilometer im Privatjet abspult – diesen Widerspruch kann selbst Infantinos beste PR nicht mehr wegfliegen.

Klimaschutz predigen, im Privatjet abheben
Die Zahl stammt von Business Insider und passt zu den Recherchen von AP und Spiegel: Infantino besuchte 44 der 104 WM-Partien und war in allen 16 Stadien vor Ort. Nordamerika von Küste zu Küste. Tag für Tag. Oft zwei Spiele am selben Tag.
Das Flugzeug? Laut AP eine Gulfstream G650, betrieben von der Charter-Sparte von Qatar Airways. Also von einem WM-Sponsor. Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen.
Der Spiegel rechnete auf Basis von Flightradar24-Daten aus, was das kostet – für die Atmosphäre. Allein bis vor dem Finalwochenende rund 813 Tonnen CO2. Das 52-Fache dessen, was ein Mensch in der Schweiz laut BAFU im Jahr im Schnitt ausstößt. Und zwei Langstreckenflüge nach Doha sind da noch nicht mal eingerechnet.
Erinnern wir uns kurz: Die FIFA versprach in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie, aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen. Auf eine AP-Anfrage zu Infantinos Reiseplan reagierte der Verband dann lieber gar nicht.
18 Kilometer im Jet – und die Rechnung zahlen andere
Besonders pikant sind laut Spiegel die Kurzstrecken. 18 Kilometer, zwölf Minuten – so hüpfte die Maschine am Halbfinal-Tag von einem Flughafen zum stadtnahen Airport. Bei einem anderen Termin gerade mal 13 Kilometer. Starts und Landungen fressen besonders viel Kerosin. Es geht hier also nicht ums Reisen. Es geht ums Zeitsparen.
Man kann darüber streiten, ob ein FIFA-Präsident wirklich 44 Spiele sehen muss. Aber 113.000 Kilometer im Privatjet, während der eigene Verband Klimaziele plakatiert? Das ist der Moment, in dem aus einem Versprechen eine Pointe wird.
Und Infantino ist dabei nur die Spitze. Das Institut New Weather berechnet für die gesamte WM rund neun Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, das meiste davon aus dem Flugverkehr – mehr als das Vierfache des Schnitts der Turniere von 2010 bis 2022. Der Jet des Präsidenten ist da fast schon symbolisch. Aber was für ein Symbol.