Kein Anruf, kein Fax, keine Mail. Wer einen 170-Millionen-Mann will, meldet sich. Real hat sich nicht gemeldet – damit ist die Geschichte erzählt.

Dreesen zu Olise: „Zero Anrufe aus Madrid”
Die Frage war simpel: Wie viele Anrufe aus Madrid hat der Vorstandschef in diesem Sommer bekommen? Dreesen lächelte. „Zero.” Und schob nach: „Auch keinen Brief, kein Fax und keine Mail.”
Ein Fax. Im Jahr 2026. Der Mann weiß genau, was er tut, wenn er die Liste so lang macht.
Bleibt Olise also? „Natürlich.”
Damit ist ein Gerücht abgeräumt, das den ganzen Sommer über mitlief. Die französische Sportzeitung L’Équipe hatte die Sache groß auf die Titelseite gehoben, zuletzt hieß es sogar, Olise habe während der WM einen Wechselwunsch geäußert. Bestätigt hat das nie jemand.
Dreesen kommentierte das mit einem Satz, der zwischen Amüsement und Genervtsein liegt. Es sei erstaunlich, was alles verbreitet werden könne, wenn man selbst wisse, was die Wahrheit ist.
Vertrag bis 2029, 170 Millionen Marktwert – Olise hat kein Preisschild
Bayern muss in dieser Frage gar nichts. Olises Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2029 und enthält dem Vernehmen nach keine Ausstiegsklausel. Ohne diesen Passus entscheidet allein der Klub, ob er überhaupt zuhört.
Und der Klub hat allen Grund, es nicht zu tun. Nach der WM hob Transfermarkt Olises Wert von 150 auf 170 Millionen Euro. So hoch wurde nie zuvor ein Bundesligaspieler bewertet, weltweit steht er damit auf Rang vier. Verdient hat er sich das mit sieben Vorlagen im Turnier – Bestwert. Frankreich wurde Vierter, Olise war dabei nicht der lauteste Name, sondern der, der die Angriffe schneller machte.
Wer die Rechnung aufmacht, versteht die Haltung der Bosse. 2024 kam Olise für kolportierte 55 Millionen Euro von Crystal Palace. Seitdem stehen 42 Tore und 54 Vorlagen in 107 Pflichtspielen. Der Marktwert hat sich in zwei Jahren verdreifacht.
Zur berühmten 200-Millionen-Marke lieferte Dreesen eine hübsche Anekdote. Er sei im Freundeskreis unzählige Male gefragt worden, ob Olise nicht doch nach Spanien gehe. Aber: „Kein einziger hat gesagt, bei 200 Millionen müsst ihr ihn verkaufen.” Das ist keine Preisverhandlung. Es ist eine Stimmungsmessung – und sie fiel eindeutig aus.
Olise zurück erst im August – das Fenster bleibt trotzdem offen
Sehen wird man den Franzosen ohnehin erst später. Olise ist noch im Urlaub und kehrt wie Harry Kane erst nach der Asienreise im August in den Kader zurück. Vincent Kompany muss sich also gedulden, während der Rest der WM-Fahrer diese Woche am Tegernsee einsteigt.
Das Transferfenster bleibt bis Anfang September offen, und Real Madrid hat schon oft spät zugeschlagen. Nur: Ohne Klausel, ohne Verkaufswillen und ohne einen einzigen Anruf müsste dieser Sommer noch sehr merkwürdig werden.