Der DFB-Pokal beginnt an diesem Freitag – und er beginnt ohne die beiden Klubs, die im deutschen Fußball sonst jede Schlagzeile besetzen. Bayern München und Borussia Dortmund greifen erst Anfang September ein. Die erste Hauptrunde startet stattdessen mit vier Partien, in denen es um genau das geht, wofür dieser Wettbewerb steht: Underdogs mit Heimrecht gegen Favoriten unter Zugzwang.
Um 18 Uhr laufen drei Spiele parallel, das Abendspiel steigt um 20:45 Uhr im Ostseestadion. Bis zum 2. September werden alle 32 Erstrundenpartien absolviert. Der Auftakt liefert bereits die klassische Pokalmischung.
Der erste Pokalfreitag ist der Tag, an dem die Quoten am weitesten von der Realität entfernt sind. Kein Klub hat Spielpraxis, alle Modelle rechnen mit alten Daten.

Die vier Freitagsspiele
Den Anfang macht um 18 Uhr Regionalligist SC St. Tönis 1911/20 gegen Eintracht Frankfurt. Für den Klub vom Niederrhein ist es das Spiel der Vereinsgeschichte, für Frankfurt eine Aufgabe, die man nicht gewinnen, sondern nur verlieren kann. Zeitgleich empfängt Preußen Münster den Karlsruher SC, und Waldhof Mannheim trifft auf den 1. FC Kaiserslautern – ein Duell mit Derbycharakter, das über die Ligagrenze hinweg funktioniert.
Das Abendspiel gehört Hansa Rostock gegen den VfB Stuttgart. Zweitligist gegen Bundesligist, ausverkauftes Ostseestadion, Flutlicht. Wer den DFB-Pokal kennt, weiß, dass genau diese Konstellation über Jahre hinweg die meisten Überraschungen produziert hat. Rostock ist keine Mannschaft, die sich hinten reinstellt und hofft – und Stuttgart kommt ohne echten Wettbewerbsrhythmus in dieses Spiel.
Warum Bayern und der BVB erst im September spielen
Der Grund für die verschobenen Termine liegt einen Tag später: Am 22. August bestreiten Bayern und Dortmund den Franz-Beckenbauer-Supercup. Beide Erstrundenpartien wurden deshalb ans Ende des Zeitfensters gelegt. Der BVB tritt am 1. September beim Hamburger Klub HEBC an, der FC Bayern am 2. September beim Drittligisten VfL Osnabrück.
Für die Underdogs ist das ein zweischneidiges Geschenk. Sie bekommen ihr großes Spiel zwar unter maximaler Aufmerksamkeit, weil an diesen beiden Abenden sonst nichts läuft. Sie treffen aber auch auf Gegner, die dann bereits zwei Bundesliga-Spieltage in den Beinen haben und im Rhythmus sind. Der klassische Vorteil des ersten Pokalwochenendes – der Favorit ist noch nicht warm – entfällt für Osnabrück und HEBC komplett.
Wettblick: Wo der Markt am ersten Pokalfreitag falsch liegt
Erste Runde, Pokal, keine Formkurve: Das ist die unangenehmste Ausgangslage, die es für Quotenmodelle gibt. Bewertet wird faktisch die Ligazugehörigkeit plus die Vorsaison. Was in der Vorbereitung passiert ist, welche Spieler gerade erst dazugestoßen sind und wie fit die Mannschaften wirklich sind, fließt kaum ein.
Daraus ergibt sich ein bekanntes Muster: Favoriten sind am ersten Pokalwochenende systematisch zu kurz notiert, unterklassige Gastgeber zu lang. Besonders auffällig wird das bei Handicap-Wetten. Ein Bundesligist, der beim Zweit- oder Drittligisten mit zwei Toren Vorsprung gehandelt wird, ist in dieser Phase der Saison fast immer zu teuer – Pokalspiele der ersten Runde enden häufiger knapp, als es die Klassenunterschiede vermuten lassen.
Der zweite Punkt betrifft die Verlängerung. Der Markt unterschätzt regelmäßig, wie oft Erstrundenpartien über die reguläre Spielzeit hinausgehen. Wer bei Torwetten unterwegs ist, sollte im Blick behalten, ob sich die Quote auf 90 Minuten oder auf das Weiterkommen bezieht. Der Unterschied klingt trivial und ist es nicht.
Rostock gegen Stuttgart ist an diesem Freitag das Spiel mit dem größten Überraschungspotenzial. Nicht, weil der VfB schwach wäre – sondern weil alle Umstände dafür sprechen, dass es eng wird.
Ein Blick auf die weiteren Ansetzungen zeigt, wie eng der Terminplan getaktet ist. Am Samstag steigt unter anderem RB Leipzig bei Eintracht Trier ein, Bayer Leverkusen muss zu Wehen Wiesbaden, Werder Bremen tritt bei LSK Hansa an. Der Sonntag bringt mit Rot-Weiss Essen gegen St. Pauli und Fortuna Düsseldorf gegen den SC Freiburg zwei Duelle, die sportlich näher beieinanderliegen, als die Ligazugehörigkeit vermuten lässt. Am Montag schließt der Hallesche FC gegen Schalke 04 das reguläre Erstrunden-Wochenende ab.
Übertragen werden die Partien über mehrere Sender verteilt – Sky, ZDF, ARD und RTL teilen sich die Spiele auf. Für die Amateurklubs ist das der eigentliche Gewinn dieser Runde: Ein Auftritt vor einem Millionenpublikum, der wirtschaftlich mehr wert sein kann als eine halbe Saison im normalen Spielbetrieb.
Das Finale der Saison ist bereits terminiert und steigt am 29. Mai 2027 in Berlin. Bis dahin liegen sechs Runden, und in kaum einer davon ist die Fallhöhe für die Favoriten so groß wie in dieser ersten. Ein Bundesligist, der hier ausscheidet, verliert nicht nur ein Spiel, sondern eine komplette Saisonperspektive – und das an einem Wochenende, an dem die Liga noch nicht einmal begonnen hat.