So eine Woche gewinnt man nicht mit Glück. Trump, O’Sullivan und Murphy nacheinander zu schlagen, verlangt vier Tage Konstanz auf höchstem Niveau. Dass im Finale gegen Selby am Ende die Erfahrung den Ausschlag gab, macht den Lauf nicht kleiner.

Vier Runden, vier Skalps
Es begann sofort mit einem Beben. Weltranglistenerster Judd Trump verabschiedete sich bereits in Runde eins gegen den Thailänder – und beendete damit die Aussicht auf ein Duell mit Ronnie O’Sullivan in der nächsten Runde. Den übernahm dann Saengkham gleich selbst.
Danach der Viertelfinal-Coup. Shaun Murphy, im Mai noch WM-Finalist gegen Wu Yize, hatte im Turnier bis dahin überzeugt: ein 6:0 gegen Matthew Selt mit vier Centuries, danach ein 6:2 über Xiao Guodong. Gegen Saengkham war am 14. August Schluss, 4:6.
Das Halbfinale gegen Zhou Yuelong wurde dann zur Nervenprobe. Saengkham führte 4:2, ließ den Chinesen mit einem 99er-Break auf 4:5 herankommen und musste den Ausgleich zum 5:5 hinnehmen. Im Entscheidungsframe griff er an – und war durch.
Im Finale fehlte eine Session
Am Sonntag stand der Außenseiter dann vor der Chance, als dritter Thailänder überhaupt ein Ranglistenturnier zu gewinnen. Gegen Mark Selby.
Nach der ersten Session stand es 4:4. Dann kippte die Partie. Selby zog in der Abendsession auf 8:4 davon, ließ nach dem Anschlusstreffer des Thailänders nicht locker und stellte auf 9:5. Saengkham verkürzte noch einmal, im 16. Frame machte Selby den 10:6-Erfolg klar.
Für den Engländer war es der vierte China-Open-Titel – Rekord – und der 26. Ranglistenerfolg seiner Karriere, der erste seit der UK Championship Ende 2025. „Es war ein hartes Match”, sagte Selby, er habe im Finale nicht überragend gespielt, über das Turnier hinweg aber gut. Saengkham blieb nüchtern: Er habe viel aus der Erfahrung mitgenommen.
Ob dieser Lauf mehr war als eine Ausreißerwoche, klärt sich schnell. Vom 23. bis 29. August steht in Wuhan das nächste Ranglistenturnier an, Titelverteidiger ist Xiao Guodong. Saengkham kommt diesmal nicht mehr als Unbekannter.