Elf Spanier erkämpfen sich über 120 Minuten einen Weltmeistertitel – und der prominenteste Mann auf der Bühne hat dabei keinen einzigen Pass gespielt. Dass die Sieger ihren eigenen Präsidenten-Gast am Ende aus dem Foto räumen mussten, ist das ehrlichste Statement des Abends.

Trump bleibt stehen – Infantino muss eingreifen
Es begann mit Pfiffen. Als Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino nach dem Abpfiff den Rasen in East Rutherford betraten, empfing sie ein Pfeifkonzert von den Rängen. Kein warmer Empfang. Kein Jubel. Das gesamte Turnier über hatte der US-Präsident die Stadien gemieden – ausgerechnet zum Finale tauchte er auf und wollte sichtbar sein.
Dann die Pokalübergabe an Kapitän Rodri, gemeinsam mit Infantino. Und danach der Moment, den viele befürchtet hatten: Trump machte keine Anstalten zu gehen. Er blieb neben der feiernden Mannschaft stehen, mittendrin, als Spanien den zweiten WM-Titel der Geschichte in die New Yorker Nacht stemmte. Rodri drehte dem Präsidenten geschickt den Rücken zu und riss die Trophäe hoch. TV-Bilder zeigten, wie der Kapitän Trump per Handzeichen zu verstehen gab, dass jetzt die Mannschaft dran ist.
Infantino lief quer über die Bühne, um Trump aus dem Bild zu holen. Zunächst vergeblich. Erst danach geleitete der FIFA-Chef den Präsidenten sichtlich lächelnd von der Bühne. Ein Protokoll-Moment, der eigentlich Sekunden dauert, wurde zur kleinen Farce.
Rausgepfiffen, rausgeschnitten – und ein Muster
Die Pointe lieferte danach das Internet. Der spanische Verband RFEF postete kurz nach der Feier ein Siegerfoto der jubelnden Spieler – ohne Trump. Auch die FIFA verbreitete auf X eine Aufnahme, auf der vom Präsidenten kaum mehr als ein marineblauer Anzugzipfel am Bildrand übrig blieb. Nutzer bemerkten das sofort und feierten es.
Ob aktiv nachbearbeitet wurde, ist umstritten. Medien wie Sports Illustrated und The New Republic sprechen von einer manipulierten Aufnahme, aus der Trump nachträglich entfernt worden sei. Andere Portale wie 20 Minuten und Blick fanden dafür keine Belege und halten es für wahrscheinlicher, dass RFEF einfach ein Bild wenige Sekunden später wählte – als Trump ohnehin schon aus dem Bild war. Für diese Lesart spricht: Auch die FIFA veröffentlichte ein Foto praktisch ohne ihn.
Neu ist das Verhalten nicht. Schon beim Finale der Klub-WM 2025 blieb Trump grinsend zwischen den Spielern des FC Chelsea stehen und irritierte die frisch gekürten Sieger. Und während dieser WM sorgte er für den größten Nebengeräusch-Skandal des Turniers: Er rief Infantino an, um die Rote-Karten-Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun aufheben zu lassen. Die FIFA-Disziplinarkommission setzte die Sperre prompt zur Bewährung aus. Balogun spielte im Achtelfinale – die USA verloren trotzdem 1:4 gegen Belgien.
Ein Präsident, der Stadien wochenlang meidet und dann zum größten Foto des Sommers doch dabei sein will. Das Publikum in New Jersey hat ihm klar gesagt, was es davon hält.