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Zweimal zusammengebrochen: Musiala fehlt Bayern beim Bundesliga-Auftakt

Dennis Buchbauer
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Es ist der Moment, der den FC Bayern und die halbe Fußball-Republik in Schockstarre versetzt hat: 84. Minute im Testspiel gegen RB Leipzig, Jamal Musiala sackt ohne jede Fremdeinwirkung zusammen und bleibt reglos auf dem Rasen liegen. Ismael Saibari und Joshua Kimmich winken panisch nach den Betreuern, ein Notarzt stürmt auf den Platz. Minuten später verlässt der 23-Jährige gestützt und sichtlich benommen die Allianz Arena. Drei Tage später, beim 4:2 in Heidenheim, das exakt gleiche Bild.

Seitdem ist klar: Beim besten deutschen Offensivspieler geht es um weit mehr als um Fußball. Musiala hat sich inzwischen selbst erklärt, der FC Bayern hat nachgelegt, ein Neurologe hat fachlich eingeordnet. Wenn die Bundesliga an diesem Freitagabend um 20:30 Uhr mit Bayern gegen den VfB Stuttgart in die neue Saison startet, fehlt die Nummer 10 – aus Gründen, die mit einer normalen Verletzung nichts zu tun haben.

Sportlich fangen die Bayern den Ausfall auf, das zeigt schon der Supercup. Aber hier geht es ausnahmsweise mal nicht um Quoten und Kaderwerte, sondern um einen 23-Jaehrigen, der mit einer Diagnose leben muss, die ihm mitten im Spiel die Kontrolle nimmt. Dass er trotzdem weiterspielen will, verdient Respekt.

Sportwettenexperte & Autor
Dennis Buchbauer

Zwei Zusammenbrüche in vier Tagen

Der 15. August sollte ein guter Tag für Musiala werden. In der 69. Minute des Telekom-Cup-Duells gegen RB Leipzig wurde er eingewechselt, sein erster Einsatz der Saison. In der 81. Minute traf er zum 3:1 und jubelte ausgelassen mit seinen Kollegen. Drei Minuten später lag er am Boden. Die erste Einordnung damals: Schwächeanfall, es waren deutlich über 30 Grad, Musiala klagte über Schwindel und Kreislaufprobleme. Eine Erklärung, die jeder Fußballfan schon hundertmal gehört hat.

Am 18. August in Heidenheim war diese Erklärung nicht mehr haltbar. Einwechslung in der 61. Minute, Zusammenbruch in der 67. – erneut ohne Gegnerkontakt, erneut minutenlange Behandlung durch die Bayern-Ärzte, erneut ein benommener Musiala, der vom Platz geführt wurde. Was auffiel: Die Bayern-Bank blieb bemerkenswert ruhig. Vincent Kompany erklärte später, warum. Man wusste im Klub längst Bescheid.

“Mir geht es gut” – Musialas eigenes Statement

Am Abend des zweiten Vorfalls meldete sich Musiala selbst bei Instagram. “Das Wichtigste zuerst – mir geht es gut”, schrieb er. Und dann die Passage, die alles veränderte: “Es wurden bei mir temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen festgestellt, welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind.” Diese könnten zu Momenten führen, “wie gegen Leipzig oder auch jetzt in Heidenheim”.

Musiala weiter: “Ich weiß, dass diese auf den ersten Blick scary wirken – für mich sind sie aber aktuell Teil meines Alltags.” Es bestehe “kein darüberhinausgehendes gesundheitliches Risiko”. Er habe mit ausdrücklicher Freigabe neurologischer Fachärzte entschieden, weiter Fußball zu spielen: “Dafür habe ich die Verantwortung übernommen.” Eine konkrete Diagnose nannte er nicht – und bat ausdrücklich darum, das Thema im engsten Kreis zu belassen.

Ein Neurologe meldet fachliche Zweifel an

Professor Andreas Schulze-Bonhage, Leiter des Epilepsiezentrums der Uniklinik Freiburg, ordnete den Fall ein – ausdrücklich ohne Ferndiagnose. Sein zentraler Punkt: “Absencen sind eine Form epileptischer Anfälle.” Gleichzeitig zweifelt er an der Bezeichnung im engeren Sinne. Erstens wirkten die Anfälle auf den Videobildern deutlich länger, “Absencen sind selten eine Minute lang”. Zweitens: “Absencen treten nicht erstmals im Alter von 23 Jahren auf”, klassisch manifestieren sie sich im Kindesalter. Drittens war Musiala beim Verlassen des Platzes noch benommen, was untypisch ist.

Wahrscheinlicher sei eine Bewusstseinsstörung aufgrund eines fokalen epileptischen Anfalls. Sicherheit gäbe nur ein EEG. Wichtig für die Einordnung: Weder Musiala noch der FC Bayern haben je das Wort Epilepsie verwendet. Jede weitergehende Zuschreibung ist journalistische Interpretation, keine bestätigte Diagnose. Die Prognose des Fachmanns fällt trotzdem ermutigend aus: Bei Absence-Epilepsien liegt die vollständige Anfallskontrolle bei rund 85 Prozent, bei fokalen Formen bei knapp 70. Und: “Eine Epilepsie ist somit kein Ausschlussgrund, auch erfolgreich als Fußballer arbeiten zu können.” Der Verweis auf den brasilianischen Weltstar Ronaldo, der ebenfalls betroffen war, kommt nicht von ungefähr.

Der FC Bayern wusste seit Monaten Bescheid

Die brisanteste Wendung lieferte Max Eberl. Der Sportvorstand bestätigte: “Wir wissen es schon die ganze letzte Saison. Wir haben damit gearbeitet.” Der Grund für die plötzliche Häufung: Musiala hatte seine Medikation reduziert. “Deswegen waren die Krampfanfälle in der Kürze der Zeit augenscheinlicher. Jetzt gilt es, die Medikation anzupassen, um dahin zurückzukommen, wo er sehr lange anfallsfrei war.”

Kompany bestätigte das aus erster Hand: Musiala habe “bei seiner Behandlung ein bisschen was geändert, und das hatte ein bisschen Nebenwirkungen”. Uli Hoeneß fand die emotionalsten Worte: “Es ist ein Drama, speziell für den Jamal. Ich gehe mit dem Gedanken ins Bett und wache mit dem Gedanken an ihn auf.” Der Ehrenpräsident betonte zugleich die Absicherung des Klubs – die behandelnden Neurologen hätten schriftlich bestätigt, dass aus ihrer Sicht keine Bedenken gegen Hochleistungssport bestehen. “Ohne das hätten wir uns ja fahrlässig verhalten.” Dass Musiala sich bei einem zweiten Vorfall selbst an die Öffentlichkeit wendet, war intern vorher abgesprochen.

Was das für den Auftakt bedeutet

Sportlich ist die Lage überschaubar klar. Kompany bestätigte am Donnerstag: “Er ist heute im vollen Training mit der Mannschaft dabei, aber noch nicht im Kader für morgen.” Musiala gewöhne sich an die gesteigerte Dosis und reagiere gut darauf. Eine Ausfalldauer hat der Klub bewusst nicht genannt. Bis eine neue Medikamenteneinstellung greift, vergehen erfahrungsgemäß zehn bis vierzehn Tage – der Pokal in Osnabrück am 2. September und das Auswärtsspiel auf Schalke drei Tage später sind die nächsten realistischen Optionen, festlegen will sich in München aber niemand.

Auf die Favoritenrolle der Bayern drückt der Ausfall wenig. Der Rekordmeister hat den Supercup in Dortmund ohne Musiala gewonnen, Nathaniel Brown hat die Rolle im offensiven Mittelfeld ordentlich ausgefüllt, Michael Olise, Luis Díaz und Harry Kane sind ohnehin die Achse. Die Quoten für einen Bayern-Heimsieg gegen Stuttgart haben sich seit der Nachricht kaum bewegt – der Markt hat den Ausfall längst eingepreist und bewertet ihn als das, was er ist: schmerzhaft, aber nicht spielentscheidend. Interessanter wird es bei den Torschützenmärkten, wo Musialas Wegfall die Anteile auf Kane und Olise umverteilt. Wer an diesem Freitagabend um 20:30 Uhr einschaltet, wird ihn trotzdem vermissen. Und vermutlich mehr an den Spieler denken, der nicht auf dem Platz steht, als an die elf, die dort stehen.

Dennis Buchbauer

Hi, ich bin Dennis – Experte für Predictive Analytics und Sportwetten. Seit über 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Sportwetten und der Frage, wie sich Daten in fundierte Vorhersagen verwandeln lassen. Auf Wette.de bin ich für die Testberichte sowie die Sportwetten-Strategien zuständig. Jeden Wettanbieter teste ich aus echter Spielersicht – ich schaue mir nicht nur die Webseite an, sondern wette tatsächlich selbst. Mein Hintergrund in Consumer Behavior Prediction und Event Forecasting fließt dabei direkt in meine Analysen und Wetttipps ein.