Im Mai war es noch eine nostalgische Idee, über die man in Bremen schmunzelte. Jetzt sieht es plötzlich nach einem echten Transfer aus: Niclas Füllkrug soll zu Werder zurückkehren – und West Ham United macht den Weg dafür überraschend frei.
Nach kicker-Informationen haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verschoben. Die Londoner forderten ursprünglich eine Ablöse für den 33-jährigen Nationalspieler, obwohl sein Vertrag noch zwei Jahre läuft. Inzwischen sind sie bereit, ihn ablösefrei ziehen zu lassen. Und Füllkrug selbst soll bereit sein, bei seinem üppigen Premier-League-Gehalt kräftig zurückzustecken.
Ablösefrei plus Gehaltsverzicht – das ist die Konstellation, in der Transfers plötzlich sehr schnell gehen. Bei Werder geht es nicht mehr um das Ob, sondern um die letzten Prozentpunkte beim Gehalt.

Warum Werder überhaupt sucht
Die Bremer haben unter Daniel Thioune bereits kräftig umgebaut. Ludovit Reis ist nach Deutschland zurückgekehrt, Eren Dinkci steht kurz vor der Rückkehr in seine Heimatstadt. Dinkci ist flexibel einsetzbar – auf beiden Flügeln, hinter der Spitze, im Zentrum –, löst aber nicht das Grundproblem: Werder fehlt ein gestandener Mittelstürmer.
Mit Cedric Itten kam immerhin ein Angreifer, der in der vergangenen Zweitliga-Saison 15 Tore erzielt hat. Dazu gilt der 20-jährige Eigengewächs-Stürmer Salim Musah intern als großes Talent. Nur reicht das den Verantwortlichen für eine Bundesliga-Spielzeit nicht. Die 0:1-Niederlage im Test gegen Auxerre am Samstag hat noch einmal unterstrichen, wo es hakt: im letzten Drittel.
Was Füllkrug in Bremen war – und was seitdem passiert ist
Man muss die Geschichte kennen, um zu verstehen, warum diese Rückkehr in Bremen so emotional aufgeladen ist. Nach seiner Rückkehr 2019 warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück. Erst nach dem Abstieg und mit dem Amtsantritt von Ole Werner drehte sich alles: 19 Tore in der 2. Bundesliga 2021/22, direkter Wiederaufstieg, dann 16 Treffer in der Bundesliga-Saison 2022/23 und damit die Torjägerkanone.
Parallel dazu die späte Nationalmannschaftskarriere – Debüt mit 29, danach fester Bestandteil als Strafraumstürmer. 2023 folgte der Wechsel zu Borussia Dortmund, wo er in einer Saison 15 Pflichtspieltore erzielte und mit dem BVB ins Champions-League-Finale einzog. Für 27 Millionen Euro ging es anschließend nach London.
Dort lief wenig zusammen. Drei Tore in 29 Pflichtspielen für West Ham, dazwischen immer wieder Verletzungen. Eine sechsmonatige Leihe zur AC Mailand brachte in 20 Einsätzen genau einen Treffer. Zwei verlorene Jahre, nüchtern betrachtet.
Chance oder Risiko? Beides
Ein 33-Jähriger nach zwei mageren Jahren im Ausland ist kein Selbstläufer. Die Verletzungshistorie ist real, der Rhythmus fehlt, und wer zuletzt in 49 Pflichtspielen vier Tore erzielt hat, kommt nicht als Garant zurück. Das Gehalt bleibt die größte praktische Hürde, auch wenn beide Seiten sich aufeinander zubewegen.
Auf der anderen Seite: Kaum ein realistisch erreichbarer Stürmer passt profilmäßig so genau nach Bremen. Füllkrug kennt den Klub, die Stadt, den Druck. Er hat dort bereits einmal einen kompletten Reset hingelegt – vom Verletzungspech über den Abstieg bis zur Torjägerkanone. Und dass keine Ablöse fällig wird, verändert die Risikorechnung komplett. Werder muss nur das Gehalt stemmen, nicht auch noch eine Investition abschreiben.
Der Wettblick auf Werder
Für die Saisonwetten ist das relevant. Werder wird vom Markt aktuell im gesicherten Mittelfeld bis unteren Drittel eingeordnet – vor allem wegen der offenen Sturmfrage. Kommt Füllkrug tatsächlich, dürften Quoten auf einen Abstieg der Bremer spürbar steigen und Wetten auf einen einstelligen Tabellenplatz interessanter werden.
Wer auf Torschützen-Märkte schielt, sollte allerdings kühl bleiben: Ein Spieler, der seit zwei Jahren kaum trifft, wird von Buchmachern in den ersten Wochen eher zurückhaltend bepreist – zu Recht. Spannender ist die Frage, wie schnell er überhaupt in die Startelf rutscht. Solange der Deal nicht offiziell ist, gilt ohnehin: abwarten, nicht auf Gerüchte setzen.
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