Wenn ein Präsident anruft und eine Rote Karte einfach verschwindet, dann reden wir nicht mehr über Fußball, sondern über Gefälligkeiten. Die FIFA hat sich in Sekunden zerlegt, was sie jahrelang gepredigt hat: gleiche Regeln für alle. Dass die Untersuchung jetzt aus Brüssel kommen muss und nicht aus Zürich, sagt eigentlich alles.

Fall Balogun: Warum die EU jetzt Infantino ins Visier nimmt
Die Chronologie ist schnell erzählt. Balogun fliegt im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina mit Rot vom Platz. Sperre fürs Achtelfinale gegen Belgien – klare Sache, dachten alle. Dann greift Donald Trump zum Telefon, ruft nach eigenen Angaben bei der FIFA an. Und plötzlich? Sperre aufgehoben. Balogun steht gegen Belgien in der Startelf.
Genützt hat es nichts. Die USA verlieren 1:4, das Heimturnier ist vorbei. Doch der eigentliche Schaden entstand nicht auf dem Rasen.
Jetzt schlägt Brüssel zurück. 72 EU-Parlamentarier, darunter ein Dutzend aus Deutschland, fordern die europäischen Fußballverbände auf, eine Untersuchung der FIFA-Ethikkommission gegen Infantino anzustoßen. „Eine rote Linie wurde überschritten”, sagt der dänische Sozialdemokrat Niels Fuglsang, einer der Initiatoren. Der Vorwurf: Verletzung der politischen Neutralität. Die Menschenrechtsorganisation FairSquare legt nach und kündigt eine Beschwerde beim IOC an.
FIFA in der Defensive – und Balogun mittendrin, statt nur dabei
Die FIFA verweist darauf, eine Disziplinarkommission habe die Sperre aufgehoben. Formal mag das stimmen. Nur glaubt das nach Trumps öffentlich zelebriertem Anruf niemand mehr so richtig. Wer die Glaubwürdigkeit des Turniers retten will, braucht Transparenz – nicht Pressemitteilungen.
Und Balogun? Der 25-Jährige hat für dieses Chaos am wenigsten getan. „Wir haben die Entscheidung akzeptiert, als ich die Rote Karte gesehen habe, und wir haben die Entscheidung akzeptiert, als uns gesagt wurde, dass ich spielen kann”, sagte er nach dem Aus. Ein Spieler, der einfach nur kicken wollte – und jetzt als Namensgeber eines Skandals in die WM-Geschichte eingeht, den andere verursacht haben.
Ob die Ethikkommission tatsächlich gegen ihren eigenen Präsidenten ermittelt? Die Wette darauf würde selbst der mutigste Buchmacher nur mit spitzen Fingern anfassen.