Was Belgien in den letzten Minuten abgeliefert hat, ist Fußball-Wahnsinn in Reinform – aber davor standen 85 Minuten, in denen Senegal die bessere Mannschaft war. Wer sich bei einer WM auf die eigene Moral in der Nachspielzeit verlässt, spielt russisches Roulette. Irgendwann ist Schluss.

Belgien gegen Senegal: Das unmöglichste Comeback der WM 2026
Die Eckdaten in Kürze: Senegal führte hochverdient 2:0, Belgien wirkte bis zur 85. Minute mausetot. Dann Lukaku, der Anschlusstreffer, das Momentum kippte komplett – Ausgleich, Verlängerung, Siegtreffer. 3:2. Die Roten Teufel stehen in der nächsten Runde, und niemand kann so richtig erklären, warum.
Denn machen wir uns nichts vor: Über 85 Minuten war das eine Bankrotterklärung. Senegal lief höher an, gewann die zweiten Bälle, spielte mit einer Selbstverständlichkeit, die Belgien komplett abging. Die Führung der Westafrikaner? Kein Zufall. Kein glücklicher Nachmittag. Schlicht die logische Konsequenz aus 85 Minuten Überlegenheit.
Belgiens Mittelfeld fand keinen Zugriff, die Abwehr wackelte bei jedem Konter, und vorne verpuffte Angriff um Angriff in Harmlosigkeit. Bis Lukaku das Spiel an sich riss.
Rote Teufel: Moral rettet, was das System nicht liefert
Natürlich – so ein Comeback schweißt zusammen. Die Bilder der jubelnden Belgier gehen um die Welt, die Geschichte schreibt sich von selbst. Jahrhundert-Wahnsinn, keine Frage.
Aber Turniere gewinnt man nicht mit Wundern. Man gewinnt sie mit Kontrolle, mit Struktur, mit 90 Minuten Seriosität. Belgien hatte davon an diesem Abend: nichts. Ein Gegner mit mehr Kaltschnäuzigkeit macht vor der 85. Minute das 3:0 – und dann rettet auch kein Lukaku mehr.
Die Roten Teufel leben bei dieser WM weiter. Die Frage ist, wie lange noch, wenn sie so weiterspielen. Moral ist eine schöne Währung. Sie ist nur leider nicht unbegrenzt gedeckt.