Die deutsche Torhüter-Nation steht vor der WM 2026 ohne klare Nummer eins da – und droht ihre größte Stärke zu verspielen. Während ter Stegen bislang quasi keine Spielpraxis hat und Neuer-Diskussionen nicht enden wollen, tickt die Uhr.
Die Qual der Wahl im deutschen Tor gibt es nicht mehr. Man darf gespannt sein, welche Lösung im Juni präsentiert wird.

Ter Stegen: Von der Nummer eins zur Reservistenrolle
Marc-André ter Stegen sollte der unumstrittene deutsche Stammkeeper für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sein. Doch die Realität sieht anders aus. Der 33-Jährige ist beim FC Barcelona zur dritten Wahl degradiert, hat nach seiner Rücken-OP im Sommer kaum Spielpraxis und meldete sich Anfang Januar erneut mit Knieproblemen ab. Inzwischen steht fest: Ter Stegen wird zum Ligakonkurrenten FC Girona ausgeliehen.
Die bittere Bilanz:
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- Nur ein Pflichtspieleinsatz seit Dezember 2025
- Stammplatz an Joan García verloren
- Vertrag bis 2028, aber keine Perspektive mehr beim FCB
- Frische Leihe zu Girona FC (aktuell 11. in La Liga)
Bundestrainer Julian Nagelsmann fordert klare Spielpraxis als Voraussetzung für eine WM-Nominierung. Die Wahrscheinlichkeit dürfte mit seinem Wechsel steigen – doch jede weitere Verletzung könnte den Traum vom großen Turnier unwahrscheinlicher machen.
Baumann: Die unerwartete Dauerlösung?
Oliver Baumann heißt aktuell die deutsche Nummer eins. Der 35-jährige Hoffenheimer, der erst 2025 sein Debüt im DFB-Trikot feierte, hat sich durch teils bemerkenswerte Leistungen etabliert: In zehn Länderspielen kassierte er sieben Gegentore, blieb in den letzten vier Partien ohne Gegentor. DFB-Sportdirektor Rudi Völler schwärmt: Der Routinier mache es bislang wunderbar.
Doch Baumann ist eine Notlösung, die zur Dauerlösung werden könnte – mangels echter Alternativen. Seine Karriere in der Nationalmannschaft begann erst mit 35 Jahren, bei der WM 2026 wäre er 36. In der Bundesliga dominieren ausländische Keeper: Gregor Kobel (Dortmund), Peter Gulácsi (Leipzig), Mark Flekken (Leverkusen). Junge deutsche Talente mit internationaler Perspektive? Kaum sichtbar.
Neuer-Rückkehr: Das Phantom, das nicht verschwinden will
Manuel Neuer beendete seine DFB-Karriere nach der EM 2024. Eigentlich. Dennoch fordern Stimmen aus Verband und Medien seine Rückkehr zur WM 2026. Bayern-Sportdirektor Max Eberl ist sich sicher: Neuer sei der beste deutsche Torwart. Auch BVB-Berater Matthias Sammer plädiert für ein Comeback des Weltmeisters von 2014.
Das Problem: Neuer selbst signalisiert keinerlei Interesse. Bundestrainer Nagelsmann zeigt sich zwar diplomatisch, doch ein Kurzzeitcomeback kurz vor der WM wäre ein Offenbarungseid für die deutsche Torwart-Ausbildung. Die Diskussion zeigt vor allem eins – es gibt keinen adäquaten Ersatz.
Deutschland verliert seinen Torhüter-Thron
“Deutschland als Torhüter-Nation war gestern, ein neuer Manuel Neuer ist nicht in Sicht”, fasste das ZDF die Situation bereits im Herbst 2025 zusammen. Während andere Nationen wie Italien mit Gianluigi Donnarumma auf junge Weltklasse-Keeper setzen, sucht Deutschland verzweifelt nach Perspektiven.
Die Altersstruktur spricht Bände:
- Marc-André ter Stegen: 33 Jahre, verletzt, ohne Klub-Spielpraxis
- Oliver Baumann: 35 Jahre, spätes Debüt, begrenzte internationale Erfahrung
- Manuel Neuer: 39 Jahre, zurückgetreten (offiziell)
- Alexander Nübel: 29 Jahre, unterlag Baumann im internen Duell
Noah Atubolu (23, Freiburg) gilt als Hoffnungsträger, doch für die WM 2026 dürfte es noch zu früh sein. Der DFB startete zwar das Projekt “N28” zur Entwicklung eines Weltklasse-Keepers bis zur EM 2028 – doch das hilft kurzfristig nicht.
“Dieses Torwart-Geeier nervt einfach nur”
“Ich kann verstehen, dass das Thema diskutiert wird, aber intern ist die Sache klar”, betont Bundestrainer Nagelsmann immer wieder – doch seine genervte Körpersprache verrät: So klar ist nichts. Jeder öffentliche Auftritt wird zur Torwart-Pressekonferenz. Das ständige Hin und Her um ter Stegen, Baumann und eine mögliche Neuer-Rückkehr schadet der Vorbereitung.
Die Wahrheit ist brutal: Deutschland fährt zur WM 2026 mit einem Torwart-Problem, das jahrzehntelang undenkbar gewesen wäre. Ob ter Stegen noch rechtzeitig Spielpraxis sammelt, ob Baumann das Vertrauen behält oder ob am Ende doch ein Notfall-Szenario mit Neuer eintritt – niemand weiß es. Und genau das ist das eigentliche Problem.
Die WM beginnt am 11. Juni 2026. Zeit, das Torwart-Chaos zu lösen, läuft ab.