In dieser Krise bietet es sich an, dass die deutsche Nationalelf in diesem Jahr mit “Peace”-Binde auflaufen wird. Oder dieses Mal ohne politisches Statement?
Guadalajara als Pulverfass: DFB-Basecamp mitten im Kartell-Territorium
Guadalajara ist einer von drei mexikanischen Spielorten bei der WM 2026. Es ist auch das Epizentrum des Jalisco Nueva Generación – eines der brutalsten Kartelle des Landes. Für die Nationalmannschaft bedeutet das: Festungsquartier. Bewegungsfreiheit auf ein Minimum reduziert. Kein Spaziergang in die Stadt, kein entspannter Abend nach dem Training. Was das mit einer Mannschaft macht, die ohnehin unter Turnierdruck steht – das weiß Nagelsmann vermutlich besser als er zugeben will.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat Bundespräsident Steinmeier Ende März persönlich Sicherheit zugesagt. Schön. Der Staat mobilisiert 100.000 Einsatzkräfte, dazu Anti-Drohnen-Einheiten und Gesichtserkennung in den Stadien. Das klingt nach Kontrolle. Ob es das auch ist, wenn fünf Millionen Besucher durch ein Land strömen, in dem die Gewalt außerhalb der „Bubble” nach wie vor eskaliert – das ist eine andere Frage. Eine, die niemand laut stellen will.
DFB-Position: Kein Boykott, kein Schweigen – aber auch keine klare Haltung
Das DFB-Präsidium hat klargemacht: Boykott kommt nicht infrage. St. Pauli-Präsident Oke Göttlich hat die Debatte angestoßen, intern. Mehr nicht. Der Verband setzt auf engen Austausch mit lokalen Sicherheitsbehörden und hält den Fokus offiziell auf dem Sportlichen – Gruppengegner wie Ecuador und die Elfenbeinküste warten.
Doch die eigentliche Spannung liegt woanders. Menschenrechtsorganisationen werfen der mexikanischen Regierung vor, die WM als Imagekampagne zu missbrauchen, während tausende Verschwundene hinter der glänzenden Fassade verschwinden. In Mexiko-Stadt verschärfen die WM-Vorbereitungen Wasserknappheit und treiben Mieten hoch. Proteste direkt vor dem Aztekenstadion sind keine Theorie – sie sind eine Frage des Wann.
Musiala und Wirtz stehen sportlich unter Beobachtung. Die Formkurven stimmen, der Kader ist stabil. Aber Deutschland WM 2026 wird mehr als ein sportliches Turnier sein. Die Frage, ob die Nationalmannschaft dazu schweigt oder Haltung zeigt – die stellt sich jetzt. Nicht erst in Mexiko.