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Joshua Kimmich Fehlbesetzung: Der Fehler liegt im System Nagelsmann, nicht im Kapitän

Dennis Buchbauer
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Zwei Spiele, zwei Siege, der Gruppensieg in Gruppe E bereits sicher – und trotzdem dreht sich vor dem letzten Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft auffällig viel um eine einzige Personalie. Nach dem 7:1 gegen Curaçao und dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste richten sich die Blicke auf Joshua Kimmich, dessen rechte Abwehrseite beim ivorischen Anschlusstreffer schlecht aussah. Doch wer den Kapitän zum Schuldigen erklärt, macht es sich zu einfach. Der eigentliche Fehler liegt im System – nicht im Spieler.

Kimmich auf rechts: Notlösung statt Idealbesetzung

Beim FC Bayern ist Joshua Kimmich seit Jahren einer der besten defensiven Mittelfeldspieler Europas: ein Stratege, der das Spiel von der Sechs aus lenkt. In der Nationalmannschaft sieht seine Rolle anders aus. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte ihn zwischenzeitlich im zentralen Mittelfeld ausprobiert, überzeugt hat das nicht – und so läuft der Kapitän bei dieser WM wieder als Rechtsverteidiger auf. Ein klassischer Außenverteidiger war Kimmich allerdings nie. Seine Stärken liegen im Spielaufbau, in der Übersicht, im Passspiel und bei Standards, nicht im Verteidigen großer Räume hinter sich.

Was das Spiel gegen die Elfenbeinküste offenlegte

Gegen die schnellen, körperlich starken Ivorer wurde genau diese Diskrepanz sichtbar. Immer wieder suchten die Gegenspieler das Eins-gegen-eins über Kimmichs Seite, und im Tempo gegen quirlige Flügelstürmer stößt der Kapitän an natürliche Grenzen. Dass am Ende trotzdem ein Sieg stand, lag auch an ihm: Kimmich brachte einen Großteil seiner Pässe an, kurbelte das Offensivspiel an, sorgte mit Flanken und ruhenden Bällen für Gefahr und gewann einen ordentlichen Anteil seiner Zweikämpfe. Es ist also nicht so, dass er ein schwaches Spiel gemacht hätte – er liefert nach vorne enorm viel und ist im Duell robust. Verwundbar ist er nur dort, wo Geschwindigkeit über alles geht.

Der wahre Fehler im System: die Kaderplanung

Und damit beginnt das eigentliche Problem, das viel früher entstanden ist als beim Anpfiff in Toronto. Nagelsmann hat für das Turnier bewusst auf einen weiteren Spezialisten für die rechte Abwehrseite verzichtet und stattdessen einen zusätzlichen Offensivspieler nominiert. Die Folge: Deutschland hat auf der rechten Verteidigerposition praktisch nur einen Plan – Kimmich. Es gibt keine gleichwertige Alternative, kein echtes Gegenmodell, das man bei Problemen einwechseln könnte. Wackelt die rechte Seite, bleibt nur der Kapitän. Genau deshalb wird die Debatte an der falschen Stelle geführt: Kimmich wird zum Sündenbock für eine Planungsentscheidung gemacht, die nicht er getroffen hat. Die Frage ist nicht, ob er dort perfekt aufgehoben ist – beim FC Bayern zeigt er, dass er woanders besser spielt. Die Frage ist, warum eine Topnation bei einer WM ohne Alternative auf einer Schlüsselposition antritt.

Unser Experte Dennis Buchbauer schätzt ein

Das halbe Land zeigt auf Kimmich, als hätte er sich die Rechtsverteidiger-Rolle selbst ausgesucht – dabei hat ihm Nagelsmann den Job reingedrückt wie Oma die dritte Portion Klöße. Kimmich ist nicht zu schlecht, er ist nur zu langsam für eine Position, die er gar nicht will. Und ohne gelernten Backup zur WM zu fahren, ist kein mutiger Plan, sondern ein Planungs-Offenbarungseid. Meine einzige Wette: Trifft Deutschland auf den ersten echten Tempodribbler, fällt ein Tor über rechts – „Deutschland kassiert ein Tor“ nehme ich da blind mit. Und wer jetzt schon auf den Titel zockt, setzt auf eine Abwehr, die bereits gegen die Elfenbeinküste am Limit war.

Sportwettenexperte & Autor
Dennis Buchbauer

Warum es in der K.-o.-Runde brisant wird

Als Gruppensieger geht Deutschland in die erste K.-o.-Runde, und je weiter das Turnier läuft, desto häufiger warten Gegner mit erstklassigen, schnellen Außenstürmern. Gegen solche Spieler kann das Tempodefizit auf rechts bestraft werden – es sei denn, die Mannschaft fängt die Schwachstelle kollektiv auf: ein absichernder Innenverteidiger, ein mitarbeitender Sechser, ein nach hinten verteidigender Flügelspieler. Das abschließende Gruppenspiel gegen Ecuador, in dem der Druck wegen des gesicherten Weiterkommens geringer ist, böte die Gelegenheit, Kimmichs Belastung zu steuern oder Varianten zu testen. Dass es kaum echte Varianten gibt, ist allerdings genau der Punkt.

Unterm Strich ist Joshua Kimmich nicht der Fehler im System – er ist die zuverlässigste Notlösung für eine Lücke, die der Trainerstab dem Kader selbst eingebaut hat. Schützt das System ihn, wird sein Aufbauspiel von hinten zur Waffe. Lässt es ihn im Tempoduell allein, wird aus dem strukturellen Fehler ein sportlicher. Die Diskussion sollte deshalb dort ankommen, wo sie hingehört: nicht beim Spieler, sondern beim Plan.

Dennis Buchbauer

Hi, ich bin Dennis – Experte für Predictive Analytics und Sportwetten. Seit über 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Sportwetten und der Frage, wie sich Daten in fundierte Vorhersagen verwandeln lassen. Auf Wette.de bin ich für die Testberichte sowie die Sportwetten-Strategien zuständig. Jeden Wettanbieter teste ich aus echter Spielersicht – ich schaue mir nicht nur die Webseite an, sondern wette tatsächlich selbst. Mein Hintergrund in Consumer Behavior Prediction und Event Forecasting fließt dabei direkt in meine Analysen und Wetttipps ein.