Lennart Karl gegen Ghana: Das Dribbling, das alles verändert hat
Karl hat sein Ausnahmekönnen sofort gezeigt. Mit dem Esprit erinnert er an einen Lionel Messi in diesem Alter.
60. Minute. Karl hat den Ball. Vor ihm: fünf ghanaische Verteidiger. Was dann passiert, lässt sich schlecht in Worte fassen – aber jeder, der es gesehen hat, weiß es sofort. Ein Slalom-Dribbling durch die halbe Hintermannschaft der Black Stars, das erst durch ein Foul gestoppt wird, weil kein anderes Mittel half. Nagelsmann nannte es „erfrischend frech”. Das ist noch untertrieben.
Deutschland gewinnt das zweite Testspiel des WM-Jahres 2:1. Kai Havertz trifft per Handelfmeter kurz vor der Pause, Ghana gleicht durch Issahaku Fatawu aus (61.), ehe Deniz Undav – eingewechselt, gerade warm – in der 87. Minute per Kopf-Oberschenkel-Kombination nach Vorarbeit von Sané den Sieg sichert. Local Hero, Local Goal. Auch das eine Geschichte für sich.
Aber die Geschichte des Abends gehört Karl.
WM 2026: Ist Lennart Karl schon jetzt gesetzt?
In der 86. Minute fehlen ihm Zentimeter zum Traumdebüt. Goretzkas Vorlage, Karls Abschluss – linker Pfosten. Undav macht es kurz darauf besser. Trotzdem: Karl hat in 33 Minuten mehr Eindruck hinterlassen als mancher etablierte Nationalspieler in einem kompletten Spiel.
Die historische Einordnung macht das Debüt noch größer. Karl reiht sich hinter Florian Wirtz und Jamal Musiala ein – zwei Namen, die inzwischen das Rückgrat der Nationalmannschaft bilden. Zufall? Kaum. Bayern München produziert gerade eine Generation, die Nagelsmann für die WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA dringend braucht.
Nagelsmann hatte vor dem Spiel von „Tiefe im Kader” gesprochen, von Spielern, die Energie bringen, wenn das Spiel stockt. Karl lieferte genau das – auf Anhieb, ohne Anlaufzeit, ohne Respekt vor dem Moment. Ob das reicht für den endgültigen WM-Kader, der am 12. Mai nominiert wird? Die Antwort hat Karl gestern selbst gegeben.
Undav hat seinen Platz mit dem Siegtreffer verteidigt. Karl hat seinen womöglich gerade erst beansprucht. Die Nationalmannschaft hat ein neues Gesicht – und das ist erst 18 Jahre alt.