Leverkusen zahlt hier nicht für einen Ersatz, sondern für ein Profil. Gutiérrez soll die linke Seite genauso bespielen, wie Martínez sie sich vorstellt – hoch, breit, mit Ball. Ob daraus 25 Torbeteiligungen pro Saison werden, steht auf einem anderen Blatt.

30 Millionen für die Grimaldo-Erbschaft
Die Rechnung liest sich schräg. Grimaldo kam 2023 ablösefrei aus Lissabon, spielte 145 Pflichtspiele, erzielte 30 Tore, legte 45 auf, gewann das Double. Im Sommer ging er nach Madrid – für eine Summe, die je nach Quelle zwischen 20 und 25 Millionen Euro liegt. Sein Nachfolger kostet mehr, als der Klub für ihn kassiert hat.
Rekordverdächtig ist das trotzdem nicht. Demirbay kostete 2019 rund 32 Millionen, Tillman im Vorjahr etwa 35. Gutiérrez landet nach Einordnung mehrerer Portale auf Platz fünf der teuersten Zugänge der Klubgeschichte. Teuer? Ja. Historisch? Nein.
Simon Rolfes nennt ihn einen spielstarken, offensiv ausgerichteten Verteidiger und die absolute Wunschlösung auf dieser Position. Solche Sätze sagt jeder Sportchef bei jeder Vorstellung. Bemerkenswert ist, wer den Wunsch geäußert hat: Carles Martínez Novell, seit dem 1. Juli neuer Cheftrainer, hatte den Spanier laut übereinstimmenden Berichten ganz oben auf seiner Liste. Der Trainer bekommt seinen Mann. In Leverkusen war das zuletzt keine Selbstverständlichkeit.
Was Gutiérrez mitbringt – und was Bayer noch fehlt
Die Vita passt zum Anforderungsprofil. Ausbildung bei Real Madrid, zehn Profieinsätze für die Königlichen, dann drei Jahre Girona mit 112 Spielen und der Entwicklung zu einem der auffälligsten Außenverteidiger der Liga. 2025 der Schritt nach Neapel für 18 Millionen, dort 36 Pflichtspiele, ein Tor, eine Vorlage, Vizemeisterschaft, italienischer Supercup.
Ein Tor, eine Vorlage. Da liegt die unbequeme Zahl. Grimaldo hat allein in der Double-Saison 25 Torbeteiligungen gesammelt. Wer diese Bilanz als Maßstab nimmt, wird enttäuscht werden – Gutiérrez ist der andere Typ Außenverteidiger. Er verteidigt konstanter, er spielt beide Seiten, er hält die Kette breit. Freistöße im Grimaldo-Format gehören nicht dazu.
Und die Kaderplanung ist nicht fertig. Auf rechts fehlt der Werkself weiter ein etatmäßiger Verteidiger, Gutiérrez kann diese Seite zwar bespielen, ist aber nicht als Dauerlösung gedacht. Nach Rang sechs und dem verpassten Champions-League-Platz startet Leverkusen in die Europa League – und in eine Saison, in der ein sechster Platz nicht noch einmal reicht. Der Pokal-Auftakt Ende August kommt schnell.
Dreißig Millionen für einen Linksverteidiger, der in Italien zwei Scorerpunkte gemacht hat: Diese Zahl wird Bayer eine Weile begleiten. Bis Gutiérrez sie widerlegt.