Sportlich lässt sich Irvine ersetzen, mit 33 und nach einer WM war der Abgang absehbar. Schwerer wiegt, was er in der Kabine und auf der Tribüne war. St. Pauli startet nach dem Abstieg in eine wichtige Saison, ohne die Stimme, die den Ton vorgegeben hat.

Ein Trikot mit der 36 – und alle wussten Bescheid
In der Nacht zum Mittwoch postete Cerezo Osaka ein Trikot mit der Nummer 36. Daneben ein gelbes Jersey, das verdächtig nach australischer Nationalmannschaft aussah. Wer die Karriere von Jackson Irvine kennt – Celtic, Ross County, Burton, Hull, Hibernian, immer die 36 – hatte die Auflösung sofort. Am Vormittag machten es beide Klubs offiziell.
Die 33-jährige Kapitän geht auf eigenen Wunsch. Nach der WM kam er auf den Verein zu, Bornemann spricht von intensiven Gesprächen, denen St. Pauli am Ende nachgab. Über die Ablösemodalitäten schweigen beide Seiten.
Fünf Jahre, 153 Spiele, ein Aufstieg
Als Irvine im Sommer 2021 kam, hatten ihn die wenigsten auf dem Zettel. Am Ende stehen 153 Pflichtspiele, 15 Tore, 21 Vorlagen – und der Aufstieg 2024, den er als Kapitän anführte. Dazu eine Sichtbarkeit weit über den Kiez hinaus, die kaum ein Zweitliga-Spieler dieses Jahrzehnts erreicht hat.
Der Abstieg im vergangenen Sommer hat die Rechnung dann für beide Seiten verändert. Ein 33-Jähriger, frisch von einer WM, mit Vertrag bei einem Zweitligisten – das ist der Moment, in dem Spieler noch einmal etwas anderes wollen. Osaka schloss die zurückliegende Saison auf Platz zehn von 20 ab. Ein Karriereschritt nach oben ist das nicht. Ein bewusster ist es allemal.
Bleibt die Frage, die am Millerntor am Sonntag im Raum steht: Wer trägt jetzt die Binde? St. Pauli hat mit Hrgota erfahrene Führung nachgelegt, aber Irvine war mehr als ein Kapitän mit Armbinde. Er war das Gesicht dieser Mannschaft nach außen.
Fürth kommt am Sonntag um 13:30 Uhr. Zeit zum Trauern gibt es nicht.