Modrić unter den Ewigen – aber kaum zu sehen auf dem Platz
Er ist jetzt offiziell in einer Kategorie mit Ronaldo und Messi. Luka Modrić ist nach Cristiano Ronaldo, Bader Al-Mutawa und Lionel Messi erst der vierte Fußballer der Geschichte, der 200 Länderspiele absolviert hat. Seine Teamkollegen warfen ihn nach dem Abpfiff in die Luft, posierten mit einem Trikot mit der Aufschrift 200. Ein echter Moment. Und doch: Wer das Spiel gesehen hat, weiß, dass die Zeremonie danach fast mehr war als das, was Modrić auf dem Rasen geboten hat.
Der 40-jährige Routinier war nach dem 2:4 gegen England heftig kritisiert worden. Gegen Panama zeigte er sich zwar etwas präsenter als beim verpatzten WM-Auftakt – Impulse konnte er dem Spiel der Kroaten aber kaum verleihen. Schon in der ersten Minute tauchte er vielversprechend im Strafraum auf, der Kopfball flog zu hoch. Danach? Lange nichts. Sehr lange.
Kein magischer Modrić-Moment, dafür immer wieder völlig unnötige Stockfehler im Spielaufbau. Ein offensiv effizienterer Gegner als Panama hätte diese Leistung längst mit einem Gegentor bestraft. Kroatiens Torwart Dominik Livaković rettete das Jubiläum mit mehreren starken Paraden. Ohne ihn wäre der Abend noch bitterer geworden.
200 Länderspiele – das ist Football-Immortality, keine Frage. Aber Hoffnung auf Kroatien hängt gerade nicht an Modrićs Legendenstatus, sondern an der Frage, ob er im Achtelfinale noch ein Spiel entscheiden kann. Und das ist nach Panama eine offene Frage.

Zittersieg gegen Panama – Kroatien hat das Weiterkommen in der Hand, aber kein Konzept
Joker Ante Budimir war es schließlich, der den Bann brach: Er drückte in der 54. Minute eine Flanke von Bayern Münchens Josip Stanišić über die Linie. Verdient? Diskutabel. Erleichterung im kroatischen Lager? Riesig. Trainer Zlatko Dalić weiß, dass es besser werden muss – auch wenn er das nach dem Spiel eher verpackt formulierte.
Aus der Heimat kommt kein Mitleid. Die kroatische Zeitung „Jutarnji list” schrieb, man sehe, dass Luka leide – er wolle, aber er könne nicht mehr so wie früher. Das ist kein Verriss. Das ist fast schlimmer: Mitleid. Für einen Mann, der Kroatien 2018 ins WM-Finale und 2022 auf Platz drei geführt hat.
Samstag, Philadelphia, Ghana. Kroatien braucht einen Sieg oder zumindest einen Punkt, um weiterzukommen. Ob Modrić dabei der Schlüssel ist oder das Problem – genau das ist die Frage, die sich nach dem Panama-Spiel niemand mehr wegdenken kann. 200 Länderspiele. Unsterblich auf dem Papier. Aber dieser WM-Auftritt verlangt mehr als einen Meilenstein als Antwort.