Bei einer solchen Vorstellung führt eigentlich kein Weg an Neuer vorbei. Doch wäre es das richtige Signal und würde nicht zu viel Unruhe in das Team kommen? Trotz herausragender Leistungen hatte der Keeper zuletzt häufiger technische Unsauberheiten gezeigt.
Neuer liefert – und der DFB schaut genau hin
Antonio Rüdiger sprach nach dem Spiel von „Aura”. Jonathan Tah nannte Neuer den entscheidenden Faktor. Das sind keine Höflichkeitsfloskeln – das sind Aussagen von Männern, die selbst zum DFB-Kader gehören und ganz genau wissen, was sie damit sagen. Neuers Auftritt gegen Real Madrid war kein Ausreißer, er war ein Statement. Eines, das direkt in Richtung Nagelsmann adressiert war, auch wenn niemand das offen ausspricht.
Das Problem ist bekannt: Marc-André ter Stegen operiert sich durch die Saison. Der Aufenthalt beim FC Girona brachte Spielpraxis, aber keine Sicherheit. Wer ter Stegen in den letzten Monaten beobachtet hat, weiß: 100 Prozent ist er nicht. Und 100 Prozent braucht man, wenn man bei einer Weltmeisterschaft in Nordamerika ins Tor soll.
Nagelsmann hat im Februar noch betont, er wolle Neuers Rücktritt respektieren. Ein verständlicher Standpunkt – damals. Aber der Fußball wartet nicht auf Standpunkte. Innerhalb des DFB-Campus mehren sich Stimmen, die eine Notfall-Option Neuer für Deutschland WM 2026 fordern. Offiziell bestätigt niemand das. Inoffiziell redet es sich schon ganz anders.
Nagelsmanns Dilemma: Stabilität oder Weltklasse?
Oliver Baumann ist solide. Zuverlässig. Ein Keeper, der keine Fehler macht – aber auch keine Spiele alleine entscheidet. Was Neuer gegen Vinícius gezeigt hat, kann Baumann nicht. Das ist keine Kritik. Das ist Realität.
Die Torwartfrage beim DFB ist längst kein sportliches Randthema mehr. Sie ist das nervende Thema – Nagelsmanns eigene Worte. Und genau das macht die Situation so heikel. Ein Kaderumbruch kurz vor dem Turnier kostet Energie, Vertrauen, Rhythmus. Nordamerika ist logistisch ohnehin eine Herausforderung: riesige Distanzen zwischen Vancouver, New York, Mexiko-Stadt, strikten Einreiseregeln für Stab und Begleitung. Da braucht man keine zusätzlichen Baustellen.
Andererseits: Wenn Deutschland mit einem Torwart ins Turnier geht, der nicht bei 100 Prozent ist, und das in der K.o.-Runde auffliegt – wem erklärt Nagelsmann das dann? Den Fans? Den Spielern? Sich selbst?
Neuer hat in Madrid gezeigt, dass die Diskussion berechtigt ist. Ob sie zu einer Entscheidung führt, liegt jetzt beim Bundestrainer. Der Ball liegt im Fünfmeterraum. Und der gehört bekanntlich Neuer.