Diese Mannschaft ist gut genug für den Titel – aber nur, wenn sie als Mannschaft spielt. Ronaldo auf der Bank ist keine Niederlage. Es wäre eine taktische Entscheidung für Portugal.

Die Zahlen lügen nicht – und sie sind vernichtend
75 Prozent Ballbesitz. Portugal beherrschte das Spiel gegen einen tief stehenden Außenseiter nach Belieben – und schaffte trotzdem nur einen einzigen Schuss aufs Tor in 90 Minuten. Der kam von João Neves, 21 Jahre alt und noch nicht auf der Welt, als Ronaldo sein erstes Länderspiel bestritt.
Ronaldo selbst? Drei Abschlüsse, alle am Tor vorbei. Null Schlüsselpässe. Null abgeschlossene Dribblings. Kongos Torhüter Lionel Mpasi-Nzau hatte mehr Ballkontakte als Portugals Mittelstürmer. Das ist keine Statistik, die man wegdiskutieren kann. Kongos Mittelfeldmotor Ngal Ayel Mukaku sagte nach dem Spiel, eine spezielle Manndeckung auf Ronaldo habe es gar nicht gebraucht. Das ist vielleicht der härteste Satz des Abends.
Seit zehn Pflichtspielen bei großen Turnieren ohne Tor wartet der 41-Jährige nun. Den letzten Treffer erzielte er per Elfmeter gegen Ghana – WM 2022. Vier Jahre sind das. Und das Muster wiederholt sich: breite Positionierung im Sturmzentrum, wenig Laufarbeit, kaum Beteiligung am Kombinationsspiel. Portugal drückt. Portugal besitzt. Portugal schafft es nicht, den letzten Pass zu spielen, weil sich das gesamte Offensivspiel um einen Spieler dreht, dem die Gegner nicht mehr ausweichen müssen.
Teamklima, Legacy-Debatte, und Martínez’ echte Frage
Der Abgang direkt nach dem Abpfiff hat in den sozialen Netzwerken und Redaktionen gezündet wie ein Streichholz im Stroh. Ronaldo verließ das Feld, während seine Teamkollegen noch da standen. Interviewanfragen blockte er ab, schlich durch den Pulk der wartenden Journalisten. Leere Hände in die Hüften gestemmt, kein Wort. Das kennt man. Man kennt es von 2022, man kennt es von der EM 2024. Es ist kein Zufall mehr – es ist ein Muster.
Die portugiesische Presse formuliert es diesmal ohne Samthandschuhe. „Vertrauen allein genügt nicht”, schrieb Público – und meinte damit Roberto Martínez, der Ronaldo vor dem Spiel als „unverzichtbar” bezeichnet hatte. Thierry Henry bei Fox Sports war direkter: „Das Team muss treffen, nicht du.” Christoph Kramer im ZDF sagte das, was viele denken: Diese Mannschaft ist so gut, dass Ronaldo ihr etwas wegnehmen kann.
Was Martínez jetzt tun soll? Das ist die echte Frage. Ronaldo auf die Bank zu setzen wäre sportlich sinnvoll – und politisch der härteste Schritt, den ein portugiesischer Nationaltrainer gehen kann. Ihn erneut von Beginn an aufzustellen wäre das Signal, dass das Umfeld wichtiger ist als das Ergebnis. Gegen Usbekistan am Dienstag braucht Portugal drei Punkte. Spätestens dann muss Martínez eine Antwort haben. Und zwar eine, die er auch verteidigen kann.
Häufige Fragen: Ronaldo und Portugal bei der WM 2026
Wie war Ronaldos Statistik gegen die DR Kongo?
Ronaldo kam auf 25 Ballkontakte, drei Abschlüsse – keiner davon auf das Tor – und keinen einzigen Schlüsselpass. Kongos Torhüter hatte mehr Ballkontakte als er. Die schlechteste Sofascore-Bewertung aller Feldspieler.
Seit wann hat Ronaldo bei einem WM- oder EM-Turnier kein Tor mehr aus dem Spiel heraus erzielt?
Sein letzter WM-Treffer war ein Elfmeter gegen Ghana im November 2022. Seitdem wartet er bei großen Turnieren nun seit zehn Spielen auf ein Tor aus dem Spiel heraus.
Hat Ronaldo das Kombinationsspiel Portugals beeinträchtigt?
Portugal dominierte mit 75 Prozent Ballbesitz, schaffte aber nur einen einzigen Schuss aufs Tor. Ronaldos feste Position im Sturmzentrum und seine geringe Laufarbeit engten die Räume für das schnelle Kombinationsspiel ein, das Portugal in der Nations League auszeichnete.
Was passierte nach dem Abpfiff?
Während die Teamkollegen noch auf dem Platz standen, verließ Ronaldo unmittelbar nach dem Schlusspfiff frustriert das Feld. Sämtliche Interviewanfragen lehnte er ab.
Könnte Ronaldo bei Portugal auf die Bank gesetzt werden?
Trainer Roberto Martínez hat sich bisher klar hinter Ronaldo gestellt. Nach dem enttäuschenden Unentschieden gegen die DR Kongo wächst allerdings der Druck, ihn gegen Usbekistan zumindest als Joker einzusetzen – sportlich wäre das vertretbar, politisch für Martínez ein Drahtseilakt.