Vier Wochen bis zum Bundesliga-Start, und Schalke hat schon ein Loch auf links und eins auf rechts. Zwei Wochen nach der Unterschrift liegt Gosens flach, der Wunschflügelspieler sitzt im Flieger zurück nach Italien. So eine Woche kann sich ein Aufsteiger eigentlich nicht leisten.

Gosens: 60 Sekunden gespielt, dann war der Sommer-Coup vorbei
Es waren noch keine sechzig Sekunden gespielt, da lag Robin Gosens schon. Hart erwischt an der Seitenlinie, schmerzverzerrtes Gesicht, humpelnder Versuch weiterzumachen. In der 13. Minute war Schluss. Vitalie Becker kam, Schalke gewann beim Viertligisten Hessen Kassel am Ende 5:0 – Karaman, Adamu, Aouchiche, Sylla und Tanaka trafen. Interessiert hat das hinterher niemanden mehr.
Denn laut Bild hat es den 32-Jährigen am Oberschenkel schlimmer erwischt als zunächst gedacht. Der Klub soll einen wochenlangen Ausfall befürchten. Die endgültige Vereinsdiagnose wird für Montag erwartet, Trainer Miron Muslic hatte direkt nach dem Spiel nur zu Protokoll gegeben, dass eine genaue Diagnose noch fehle.
Bitter ist das Timing. Gosens kam erst vor rund zwei Wochen per Leihe mit Kaufpflicht vom AC Florenz – der prominenteste Sommertransfer der Königsblauen, 24-facher Nationalspieler, gelernter Linksverteidiger für eine Position, die Schalke sonst mit einem 21-Jährigen besetzen muss. Immerhin: Bei Dejan Ljubicic, der gegen Kassel ebenfalls angeschlagen runter musste, gibt es Entwarnung. Am Knie ist nichts kaputt, in dieser Woche soll er wieder normal trainieren.
Lindström war schon da – und flog wieder heim
Und dann das. Jesper Lindström war am Freitag in Düsseldorf gelandet, hatte den Medizincheck laut Fabrizio Romano bereits absolviert und sollte am Montag offiziell vorgestellt werden. Sogar auf dem Mannschaftsfoto war für ihn ein Platz eingeplant. Am Sonntag stand fest: Der Däne fliegt zurück nach Italien.
Der Streitpunkt klingt technisch, ist aber existenziell. Schalke wollte eine Leihe mit Kaufoption, die SSC Neapel bestand plötzlich auf einer Kaufpflicht. Die Bild berichtet, die Italiener hätten sich wiederholt nicht an mündliche Absprachen gehalten und Zusagen kurz darauf wieder kassiert. Bei Sportchef Frank Baumann herrsche entsprechend Frust. Weitere Gespräche soll es vorerst nicht geben – Schalke schlägt nur noch zu, wenn Neapel zu den alten Bedingungen zurückkehrt.
Man muss das nicht mögen, aber verstehen kann man es. Ein Aufsteiger, der einem 26-Jährigen eine Kaufpflicht garantiert, dessen letzte drei Stationen sportlich verpufft sind – Neapel, Everton, Wolfsburg – wettet gegen die eigene Kalkulation. Lindström war Muslics Wunschspieler und Europa-League-Sieger mit Frankfurt 2022. Das war er allerdings auch schon vor drei Jahren.
Als Alternative steht Facundo Buonanotte von Brighton auf dem Zettel. Und Sky hält einen Lindström-Wechsel später im Sommer weiter für möglich. Immerhin ein Haken, an dem sich Hoffnung aufhängen lässt.
Ansonsten bleibt der Trost, dass Edin Dzeko am Montag seinen Vertrag bis 2027 unterschreibt. Mit 40. Bei einem Kader, dem gerade der Linksverteidiger und der Flügelspieler abhandengekommen sind, wirkt das fast schon wie Kontinuität.