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Das WM-Regel-Experiment: Warum die neuen Vorgaben den Fußball spalten

Dennis Buchbauer
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Sechs Wochen lang war die WM das Testlabor. Jetzt erreichen die neuen Regeln des IFAB die Ligen – und zwar in jedem Land ein bisschen anders. Countdowns bei Einwürfen, Zehn-Sekunden-Limits bei Wechseln, in England sogar eine Sonderregel für Torhüter, die Deutschland ausdrücklich ablehnt.

England testet die Torwart-Regel, Deutschland lehnt sie ab, in den UEFA-Wettbewerben gilt sie gar nicht. Ein englischer Klub spielt am Samstag nach einem Regelwerk und am Mittwoch nach einem anderen. Viel Glück beim Erklären.

Sportwettenexperte & Autor
Dennis Buchbauer

Fünf Sekunden, zehn Sekunden, eine Minute

Seit dem 1. Juli gelten die neuen IFAB-Regeln für alle Kontinentalverbände. Beschlossen wurden sie in zwei Etappen: bei der Jahreshauptversammlung im Februar und bei einer Sondersitzung Ende April in Vancouver. Die WM war der Praxistest. Jetzt wird es ernst.

Das Kernstück ist der sichtbare Countdown. Erkennt der Schiedsrichter bei einem Einwurf oder Abstoß eine absichtliche Verzögerung, zählt er die letzten fünf Sekunden mit der Hand herunter. Läuft die Zeit ab, gibt es beim Abstoß einen Eckstoß für den Gegner, beim Einwurf wechselt das Einwurfrecht. Die Acht-Sekunden-Regel für Torhüter bleibt bestehen.

Dazu kommen zwei Zeitfenster, die Trainer direkt betreffen. Ausgewechselte Spieler haben zehn Sekunden, um das Feld zu verlassen. Brauchen sie länger, darf der Ersatzmann erst eine Minute später und bei der nächsten Unterbrechung aufs Feld – die Mannschaft spielt so lange in Unterzahl. Und wer auf dem Platz behandelt wird, muss danach mindestens 60 Sekunden draußen bleiben.

Regel Bundesliga 2026/27 England 2026/27
Countdown bei Abstoß und Einwurf ja ja
10 Sekunden bei Auswechslungen ja ja
Eine Minute nach Behandlung ja, ohne Ausnahmen ja
Torwart-Behandlung kostet Feldspieler nein Testlauf
VAR bei falschem Eckball nein ja
Feste Trinkpausen nein nein

England geht weiter, Deutschland bremst

Die eigentliche Spaltung beginnt bei den Torhütern. Die englische Regelbehörde hat sich vom IFAB grünes Licht für einen Versuch geholt, der es in sich hat: Kommt der Physio zum Keeper aufs Feld, muss der Trainer binnen zehn Sekunden einen Feldspieler benennen, der für eine Minute vom Platz geht. Benennt er keinen, geht der Kapitän. Der Test läuft quer durch den englischen Profifußball, von der Premier League bis zur Women’s Super League, und startete bereits in der ersten Runde des Ligapokals.

Ausnahmen gibt es, und sie sind ausführlich formuliert:

  • Der Torwart winkt die Behandlung selbst ab
  • Er wird gefoult und braucht sofort Hilfe
  • Er kollidiert mit einem Feldspieler, der ebenfalls behandelt wird
  • Er blutet oder hat eine schwere Verletzung beziehungsweise Verdacht auf Gehirnerschütterung

Ausgelöst hat das Ganze eine Debatte aus der Vorsaison. Leeds-Trainer Daniel Farke warf Manchester Citys Gianluigi Donnarumma im November vor, eine Verletzung vorzutäuschen, um das Spiel zu unterbrechen. Brighton-Coach Fabian Hürzeler kritisierte Arsenals David Raya, der in einem 1:0 gleich dreimal behandelt wurde. Beide forderten eine Lösung. Sie haben eine bekommen.

Deutschland macht diesen Schritt nicht mit. DFB, DFL und die Bundesligaklubs verzichteten am 27. Juli außerdem auf den VAR-Eingriff bei falsch gegebenen Eckbällen. Bei Behandlungen ist die Bundesliga dafür strenger als die WM: Ausnahmen gibt es keine, auch bei möglichen Kopfverletzungen muss der Spieler grundsätzlich runter.

Bleibt die Frage, die niemand beantwortet hat. Wenn das Ziel mehr Nettospielzeit heißt, warum darf dann jede Liga selbst entscheiden, wie viel davon sie will? Das IFAB will die Ergebnisse des englischen Versuchs über die Saison auswerten und peilt eine weltweite Regeländerung ab 2027/28 an. Bis dahin gilt: Wer 2026/27 europäisch spielt, sollte zwei Regelwerke im Kopf haben.

Dennis Buchbauer

Hi, ich bin Dennis – Experte für Predictive Analytics und Sportwetten. Seit über 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Sportwetten und der Frage, wie sich Daten in fundierte Vorhersagen verwandeln lassen. Auf Wette.de bin ich für die Testberichte sowie die Sportwetten-Strategien zuständig. Jeden Wettanbieter teste ich aus echter Spielersicht – ich schaue mir nicht nur die Webseite an, sondern wette tatsächlich selbst. Mein Hintergrund in Consumer Behavior Prediction und Event Forecasting fließt dabei direkt in meine Analysen und Wetttipps ein.