Eintracht Frankfurt hat die Reißleine gezogen. Nach dem enttäuschenden 3:3 bei Werder Bremen trennte sich der Verein am Sonntag von Trainer Dino Toppmöller – nur zwei Punkte aus drei Spielen im neuen Jahr, neun Gegentore in diesem Zeitraum. Was nach Zahlen eines Abstiegskandidaten klingt, ist bei einem Klub mit Champions-League-Ambitionen nicht zu akzeptieren. Die Entscheidung war überfällig, auch wenn sie schmerzt: Toppmöller hatte Frankfurt in der vergangenen Saison erstmals seit Jahren wieder in die Königsklasse geführt – das durch Platz 3 in der Liga, dem besten Ergebnis seit der Saison 92/93 . Doch der sportliche Niedergang der vergangenen Wochen ließ keine andere Wahl mehr zu.
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: 39 Gegentore nach 18 Spieltagen – eine Bilanz, die sonst nur Abstiegskandidaten aufweisen. Dabei steht mit Robin Koch, Arthur Theate und weiteren Nationalspielern eine durchaus hochkarätig besetzte Defensive zur Verfügung. “Wir kriegen unfassbar einfache Gegentore“, klagte Sportvorstand Markus Krösche nach dem Bremen-Spiel sichtlich frustriert. Das Kernproblem: “Wir haben jetzt seit 17, 18 Partien immer wieder die gleichen Themen, die uns begleiten. Und trotzdem verändert sich nichts.”
Trotz der direkten CL-Quali im letzten Jahr, durch den dritten Platz der SGE, mussten nun Entscheidungen getroffen werden. Rose würde gut passen – Alonso ist meiner Meinung nach eine Nummer zu groß für die Hessen.

Systemüberlastung statt Spielfreude
Hinter den Kulissen machten sich zuletzt Zweifel breit. Toppmöller, der stark vom heutigen Bundestrainer Julian Nagelsmann geprägt wurde, soll das Team mit Informationen überfrachtet haben. Viele Spieler wirkten zunehmend überfordert von den komplexen taktischen Vorgaben. Die erhoffte Spielidee – dynamisch, aggressiv, kompakt – kam nur noch in Ansätzen zum Tragen. Stattdessen: Verunsicherung, fehlende Struktur im Ballbesitz, eklatante Mängel in der Defensive.
Toppmöller selbst akzeptierte die Entscheidung gefasst: “Ich hätte sehr gerne mit dieser Mannschaft weitergearbeitet”, sagte der 45-Jährige. Nach zweieinhalb Jahren endet damit ein Kapitel, das durchaus Höhepunkte bot – doch die jüngste Entwicklung war nicht mehr zu ignorieren.
Marco Rose als Wunschlösung
Die Nachfolgersuche läuft bereits auf Hochtouren. Als heißester Kandidat gilt Marco Rose. Der 49-Jährige, zuletzt bei RB Leipzig tätig und dort im März 2025 entlassen, steht noch bis Saisonende unter Vertrag bei den Sachsen, soll aber problemlos freigegeben werden. Rose verkörpert genau den Fußball, den Krösche sehen will: Pressing, Power, Leidenschaft. Beide kennen sich aus dem RB-Kosmos, die Chemie stimmt. Laut Medienberichten besteht beiderseitiges Interesse – Rose könnte bereits zum Heimspiel gegen Hoffenheim am kommenden Samstag an der Seitenlinie stehen.
Auch Matthias Jaissle gilt als aussichtsreicher Kandidat. Der 37-Jährige, aktuell bei al-Alhi in Saudi-Arabien unter Vertrag, pflegt ein gutes Verhältnis zu Krösche aus gemeinsamen RB-Zeiten. Allerdings dürfte sein Gehalt von rund zehn Millionen Euro jährlich für Frankfurt ein Problem darstellen. Als weitere Optionen werden Edin Terzic und Roger Schmidt genannt, wobei letzterer mittlerweile als Global Football Advisor für die japanische J-League tätig ist und eigentlich nicht mehr als Klubtrainer arbeiten wollte.
Das spektakulärste Gerücht brachte die Boulevardpresse ins Spiel: Xabi Alonso, frisch bei Real Madrid entlassen, wurde mit Frankfurt in Verbindung gebracht. Doch Experten halten diese Variante für unrealistisch – der Leverkusener Meistertrainer von 2024 dürfte nach seinem Madrid-Intermezzo höhere Ziele verfolgen. “Da ist Frankfurt nicht groß genug”, kommentierte Lothar Matthäus treffend.
Wer fliegt als nächstes in der Bundesliga?
Die Toppmöller-Entlassung ist bereits die sechste in dieser Bundesliga-Saison – und weitere könnten folgen. Besonders prekär ist die Lage beim VfL Wolfsburg. Trainer Daniel Bauer steht nach dem desaströsen 1:8 gegen Bayern München massiv unter Druck. Zwar stabilisierte sich der VfL zuletzt etwas und kletterte auf Platz 12, doch die Erwartungen in Wolfsburg liegen deutlich höher. Mit 19 Punkten aus 18 Spielen ist der Verein weit entfernt von den angestrebten Europa-Plätzen. Sollte die Mannschaft weiter in Richtung Tabellenkeller rutschen, dürfte auch Bauers Zeit abgelaufen sein.
Ebenfalls angespannt ist die Situation beim FC Augsburg. Trainer Manuel Baum übernahm erst kürzlich von Sandro Wagner, konnte aber bislang keine nachhaltige Wende einleiten. Mit 14 Punkten steht der FCA auf Platz 15 und damit deutlich zu tief für einen Verein, der in den vergangenen Jahren meist sicher im Mittelfeld agierte. Eine weitere Negativserie könnte auch hier zu personellen Konsequenzen führen.
Ein besonders heikler Fall ist der FSV Mainz 05. Der Verein steht mit nur zwölf Punkten auf dem Relegationsplatz 17 und kämpft gegen den Abstieg. Zwar scheint Trainer Urs Fischer zunächst Rückhalt zu genießen – unter ihm blieb Mainz zuletzt drei Spiele ungeschlagen. Doch die Tabellensituation bleibt bedrohlich. Sollte die Aufholjagd nicht gelingen und die Rheinhessen weiter im Abstiegskampf stecken bleiben, könnte auch Fischer schon bald zur Disposition stehen.
Die Bundesliga bleibt ein hartes Pflaster für Trainer. Die Toppmöller-Entlassung zeigt einmal mehr: Erfolg von gestern zählt wenig, wenn die Gegenwart nicht stimmt. Für Frankfurt beginnt nun eine entscheidende Phase – mit einem neuen Trainer soll die Wende gelingen. Die Qualität im Kader ist vorhanden, nun braucht es den richtigen Mann, um sie abzurufen.