Kann man wirklich auf die Epstein Liste Wetten? Die Veröffentlichung der Epstein-Dokumente hat eine verstörende Parallelwelt offenbart: Auf Krypto-Wettplattformen spekulieren Menschen mit Millionenbeträgen darauf, welche Prominenten als nächstes genannt werden. Ein Kommentar über moralische Grenzen, die längst überschritten sind.
Am 19. Dezember 2025 begann das US-Justizministerium mit der Veröffentlichung tausender Dokumente aus den Ermittlungen gegen den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Was folgte, war vorhersehbar: Medien weltweit stürzten sich auf Fotos von Bill Clinton im Whirlpool, auf Bilder mit Michael Jackson, auf jedes noch so vage Detail, das irgendeine Verbindung zu einem prominenten Namen herstellen könnte.
Weniger vorhersehbar war, was parallel dazu auf der Krypto-Wettplattform Polymarket geschah: Dort wurden und werden Millionen von Dollar darauf gesetzt, welcher Prominente als nächstes in den Dokumenten auftauchen wird.
Wer taucht noch auf der Epstein Liste auf – Die “Quoten der Schande”
Ein Blick auf die aktuelle Polymarket-Liste offenbart das ganze Potenzial der moralisch Fragwürdigen Epstein Wetten:
| Name | “Quote” | Wettvolumen |
|---|---|---|
| Ehud Barak | 35% | $106.123 |
| Tony Blair | 15% | $23.031 |
| Stephen Hawking | 14% | $143.094 |
| Leonardo DiCaprio | 11% | $8.265 |
| David Koch | 10% | $5.816 |
| Elon Musk | 9% | $76.728 |
| Sean Combs (Diddy) | 9% | $4.287 |
| Larry Page | 9% | $5.095 |
| Chuck Schumer | 8% | $5.013 |
| Ellen DeGeneres | 7% | $5.483 |
| Joe Biden | 7% | $39.299 |
| Barack Obama | 7% | $239.777 |
| Alec Baldwin | 7% | $9.882 |
| Quentin Tarantino | 7% | $7.667 |
| Oprah Winfrey | 6% | $23.222 |
| Robert Downey Jr. | 6% | $2.808 |
| Tom Hanks | 3% | $15.211 |
| Bernie Sanders | 3% | $22.299 |
Die vollständige Liste umfasst über 30 Namen – von verstorbenen Wissenschaftlern bis hin zu Talkshow-Moderatoren.
Wichtig: Diese “Quoten” basieren meistens auf einen Spekulationen. Sie spiegeln keine Fakten wider, keine Ermittlungsergebnisse, keine Beweise. Sie sind das Ergebnis von Spekulationen, Gerüchten und manchmal Internet Verdächtigungen, prominente Namen mit einem Sexualverbrecher in Verbindung zu bringen. Dass Stephen Hawking – ein 2018 verstorbener, an ALS erkrankter Physiker – mit 14% und über 140.000 Dollar Wettvolumen gelistet wird, zeigt wie Absurd oder eben wie tief der Sumpf wirklich ist.
Epstein Wetten – 1,8 Millionen Dollar Volumen auf menschliches Leid
Die Zahlen sind ebenso beeindruckend wie irritierend: Über 1,8 Millionen Dollar wurden allein auf die Frage gewettet, welche Namen in den Akten erscheinen werden. Polymarket listet dutzende Prominente mit “Quoten” auf und ermöglicht es so aus Schuld und/oder Unschuld der Beteiligten zu setzen.
Wer ist tatsächlich in den Epstein Akten?
Während auf Polymarket auf Dutzende Namen spekuliert wird, zeigen die tatsächlich veröffentlichten Dokumente ein anderes Bild. Diese Personen sind bisher durch Fotos, Kontaktbücher, Flugprotokolle oder andere Dokumente in den Epstein-Akten aufgetaucht:
| Name | Art der Erwähnung |
|---|---|
| Bill Clinton | Mehrere Fotos (u.a. im Whirlpool, mit Maxwell), 26 dokumentierte Flüge |
| Donald Trump | Fotos in Epsteins Besitz, Geburtstagskarte 2003, E-Mail-Erwähnungen |
| Ghislaine Maxwell | Durchgehend in allen Dokumenten (verurteilt, 20 Jahre Haft) |
| Kevin Spacey | Foto mit Clinton in London, gemeinsame Afrika-Reise 2002 |
| Michael Jackson | Foto direkt neben Epstein |
| Chris Tucker | Fotos, Afrika-Reise mit Clinton und Spacey |
| Richard Branson | Foto mit Epstein |
| Mick Jagger | Foto mit Clinton |
| Diana Ross | Foto mit Clinton und Michael Jackson |
| Sarah Ferguson | Foto in den Akten |
| Walter Cronkite | Foto mit Epstein |
| Steve Bannon | Selfie mit Epstein |
| Bill Gates | Fotos aus Epsteins Estate |
| Woody Allen | Fotos |
| Larry Summers | Fotos |
| Prince Andrew | E-Mails, Vorwürfe von Virginia Giuffre (zivilrechtlich beigelegt) |
| Naomi Campbell | Flugprotokolle, laut Maxwell auch auf der Insel |
| Phil Collins | Im Kontaktbuch |
| Minnie Driver | Im Kontaktbuch |
| Elie Wiesel | Im Kontaktbuch |
Ein Foto oder ein Eintrag im Kontaktbuch bedeutet zwar noch nicht automatisch eine Beteiligung an Verbrechen sprechen aber meistens eine eindeutige Sprache, besonders im Fall bestimmter ehemaliger Präsidenten die bereits vorher mit “Abenteuern im Oval Office” aufgefallen sind.
Viele dieser Personen gehörten zu Epsteins sozialem Netzwerk, bevor seine Taten öffentlich wurden. Bisher gibt es in den veröffentlichten Dokumenten keine Beweise für strafbares Verhalten der oben genannten Personen – mit Ausnahme der bereits verurteilten Ghislaine Maxwell.
Der Kontrast zur Polymarket-Liste ist bezeichnend: Namen wie Barack Obama, Tom Hanks, Oprah Winfrey oder Stephen Hawking tauchen in keinem einzigen Dokument auf – und t rotzdem werdenHunderttausende Dollar auf ihre Beteiligung gewettet.
Die Opfer? Vergessen
Was in der aufgeheizten Debatte um prominente Namen und politische Schuldzuweisungen völlig untergeht: Im Zentrum dieses Falls stehen echte Menschen. Junge Frauen und Mädchen, deren Leben durch Jeffrey Epstein und seine Komplizen zerstört wurde. Für sie sind die “Epstein Files” keine Unterhaltung, kein Wettspiel, keine politische Munition – sondern dokumentierte Traumata.
Das Justizministerium hat bei der Veröffentlichung der Dokumente bewusst über 1.200 Personen geschwärzt – nicht um Prominente zu schützen, sondern um die Identität der Opfer zu wahren. Doch während Behörden versuchen, wenigstens ein Mindestmaß an Würde zu bewahren, verwandeln Wettplattformen die ganze Angelegenheit in ein makabres Ratespiel.
Das politische Pingpong – Epstein Listen und die Politik
Die Veröffentlichung der Epstein-Akten ist selbst zum politischen Spielball geworden. Präsident Trump, der zunächst gemeinsam mit House Speaker Mike Johnson versuchte, die Veröffentlichung zu verzögern, wurde durch ein überparteiliches Gesetz dazu gezwungen. Kaum waren die ersten Dokumente online, verschwand ein Foto, das Trump in Epsteins Unterlagen zeigte, vorübergehend von der Justizministeriums-Website – angeblich “zur Überprüfung”.
Republikaner verweisen auf Bilder von Bill Clinton. Demokraten fragen, warum bestimmte Trump-Fotos zwischenzeitlich entfernt wurden. Beide Seiten instrumentalisieren die Dokumente für ihre politischen Zwecke.
Und mittendrin: Polymarket, wo man darauf wetten kann, wer als nächstes politisch beschädigt wird.
Wo Prediction Markets ihre Grenzen überschreiten
Befürworter von Prediction Markets argumentieren gerne, dass Wettmärkte wertvolle Informationen aggregieren und oft präzisere Vorhersagen liefern als traditionelle Umfragen. Bei Wahlen mag das ein diskutierbares Argument sein.
Aber welchen gesellschaftlichen Wert hat es, wenn Menschen darauf wetten, ob Tom Hanks in Epsteins Kontaktbuch stand? Welche “Information” wird hier aggregiert außer Spekulation, Gerüchten und dem Wunsch nach Sensation?
Prediction Markets für Naturkatastrophen, für die Größe von Waldbränden, für Sexualverbrechen – all das gibt es auf Plattformen wie Polymarket. Und in all diesen Fällen stellt sich die gleiche Frage: Wem nützt das?
Das eigentliche Problem der Epstein Wetten
Die Existenz solcher Wettmärkte offenbart ein tieferliegendes gesellschaftliches Problem: Die Gamification von allem. In einer Welt, in der jedes Ereignis zum Content, jede Tragödie zum Engagement-Treiber und jedes Verbrechen zur Unterhaltung werden kann, verlieren wir zunehmend die Fähigkeit, zwischen dem zu unterscheiden, was gewettet werden kann, und dem, was gewettet werden sollte.
Jeffrey Epstein hat sich 2019 in seiner Gefängniszelle das Leben genommen, bevor er vor Gericht gestellt werden konnte. Seine Komplizin Ghislaine Maxwell verbüßt eine 20-jährige Haftstrafe. Doch die wahre Aufarbeitung – die Frage, wer von seinen Verbrechen wusste, wer davon profitierte, wer wegschaute – wird durch den Zirkus um prominente Namen und Wettquoten systematisch erschwert.