Fünf Monate vor der Fußball WM 2026 spaltet eine Personalie die Nation: Soll Newcastle-Stürmer Nick Woltemade mit nach Nordamerika? Während die einen einen überfälligen Generationswechsel fordern, wittern andere Hype.
Unser Experte Dennis Buchbauer schätzt ein
Woltemade ist talentiert, keine Frage – aber wenn wir ihn jetzt schon als Heilsbringer im Sturm feiern, werden wir ihm und dem Team einen Bärendienst erweisen. Ich denke trotzdem, dass er in den Kader muss!

Die Woltemade-Debatte: Wie ist die Situation?
Julian Nagelsmann muss bis Juni 2026 seinen finalen 26-Mann-Kader für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko nominieren. Nick Woltemade, 23-jähriger Mittelstürmer, der vergangenen Sommer vom VfB Stuttgart nach England wechselte, steht im Zentrum hitziger Diskussionen. Nach einem starken Beginn bei den Magpies ist er nun wettbewerbsübergreifend seit 10 Spielen ohne eigenes Tor
Und die Konkurrenz im DFB-Sturm ist brutal:
- Niclas Füllkrug (32) – erfahren, WM-erprobt, braucht Spielpraxis und Erfolgserlebnisse – wechselte jüngst zum AC Milan, in der Hoffnung auf mehr Einsatzminuten
- Kai Havertz (26) – lange verletzt und daher möglicherweise unfit – begnadeter Fußballer, der bei seinem Startelf Comeback bei Arsenal durchaus überzeugte
- Deniz Undav (29) – extrem clever auf dem Platz, in guter Verfassung und darüber hinaus wichtig für die Stimmung im Team
- Jonathan Burkardt (25) – klassischer Stürmer, der oft nur halbe Chancen für ein Tor braucht – leider enorm verletzungsanfällig und auch aktuell nicht fit
Woltemade hat bislang acht A-Länderspiele absolviert – Bilanz: vier Tore, eine Vorlage – bislang eine gute Quote, die Gegner waren allerdings nicht herausragend.
WM 2026: Warum Nagelsmann unter Druck steht
Die Fußball WM 2026 ist die erste mit 48 Teams und findet auf drei Kontinente verteilt statt. Deutschland spielt in der Vorrunde unter anderem in Houston und Toronto – Kulisse, Klima und Jetlag werden Faktoren sein. Nagelsmann braucht einen Kader mit Tiefe, nicht nur mit großen Namen.
Genau hier setzt die Woltemade-Fraktion an: jung, technisch und physisch stark (1,92 m), kopfballstark und taktisch flexibel einsetzbar. Die Kritiker kontern: zu unerfahren, international zu unbewiesen.
Meinung: Der Hype ist hausgemacht – und gefährlich
Die Woltemade-Euphorie offenbart ein deutsches Grundproblem: die panische Suche nach dem “neuen Klose”, dem “echten Neuner”, der alles richten soll. Dabei wird übersehen, dass moderne Stürmerhierarchien längst nicht mehr so funktionieren.
Das eigentliche Problem: Der DFB hat es versäumt, nach 2014 konsequent eine neue Stürmergeneration aufzubauen. Jetzt wird hektisch improvisiert, Spieler werden verheizt, und am Ende steht womöglich ein überforderter Woltemade auf dem Platz – und die Verantwortlichen waschen ihre Hände in Unschuld.
Ausblick: Entscheidung fällt im März-Lehrgang
Nagelsmann wird im März-Länderspielfenster gegen die Schweiz und Ghana seine mitunter letzten Tests vor der endgültigen Kader-Nominierung durchführen – Ende Mai, wenn die Bekanntgabe erwartet wird, steht noch ein Spiel gegen Finnland auf dem Plan. Für Woltemade bedeutet das: Jetzt oder nie.
Die Frage bleibt: Will der DFB mutig in die Zukunft investieren – oder sicher mit Routine in die WM? Die Antwort wird zeigen, ob der Verband aus der verkorksten WM 2022 gelernt hat.
Die WM 2026 beginnt am 11. Juni. Bis dahin tickt die Uhr – für Woltemade und für Nagelsmann.