Natürlich spielt kein Weltklassespieler schlechter, weil die Prämienverhandlungen offen sind. Aber es ist ein Zeichen von mangelnder Organisation, wenn man vier Wochen vor dem Turnier noch nicht einmal intern geklärt hat, was ein Titel wert ist.
Prämienverhandlungen ohne Ergebnis
Es ist eine Nachricht, die in der öffentlichen WM-Diskussion leicht untergeht – aber durchaus bemerkenswert ist: Der Deutsche Fußball-Bund und die Spieler der Nationalmannschaft haben sich vor der WM 2026 noch nicht auf Siegprämien geeinigt. DFB-Präsident Bernd Neuendorf bestätigte, dass Gespräche laufen – diese seien allerdings vertraulich und würden nicht öffentlich geführt. Geschäftsführer Andreas Rettig führt die Verhandlungen auf DFB-Seite.
Das klingt zunächst nach einem internen Vorgang. Doch der Zeitpunkt irritiert: Vier Wochen vor dem ersten Spiel, mit bereits bekanntem Kader und laufender Vorbereitung, ist eine solche offene Frage ungewöhnlich. Bei vergangenen Turnieren waren die Prämienvereinbarungen in der Regel längst vor dem Abflug ins Turnier fixiert.
2014: €300.000 für den Weltmeistertitel
Zum Vergleich: Als Deutschland 2014 in Brasilien Weltmeister wurde, erhielt jeder Spieler €300.000 Prämie vom DFB. Es war die höchste in der Geschichte der Nationalmannschaft – und politisch bewusst kommuniziert, um die öffentliche Diskussion über Spielergehälter in einen positiven Kontext zu setzen. Beim Heim-EM 2024 wären im Falle eines Titels sogar €400.000 ausgelobt gewesen.
Was für 2026 konkret auf dem Tisch liegt, ist nicht bekannt. Die FIFA schüttet für den Weltmeister ein Preisgeld von 40 Millionen US-Dollar an den Verband aus – davon fließt ein Teil an die Spieler. Europäische Verbände, darunter der DFB, haben bei der FIFA zudem vorgesprochen, weil die Kosten für die WM-Teilnahme – Reise, Vorbereitung, Quartierskosten – die Prämieneinnahmen teilweise auffressen.
Basler fordert Rüdiger-Aus – interner Druck vor dem Turnier
Zusätzlich zum Prämienthema sorgt ein anderes Thema für Gesprächsstoff: Ex-Nationalspieler Mario Basler hat öffentlich gefordert, Antonio Rüdiger nicht mehr für die Nationalmannschaft zu nominieren. Hintergrund ist ein Vorfall im Spiel von Real Madrid gegen Getafe, bei dem Rüdiger einen Gegenspieler mit dem Knie traf – eine Aktion, die Basler als vorsätzlich und disziplinarisch untragbar bewertet.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat Rüdiger in seinen Kader berufen und steht zu ihm. Doch solche öffentlichen Debatten kurz vor einem Turnier sind Gift für den Teamfrieden – gerade wenn es gleichzeitig ungelöste Prämienverhandlungen gibt.
Wie relevant ist das für die WM-Chancen?
Deutschland gilt als einer der Mitfavoriten bei der WM 2026. Nach dem starken Auftritt bei der Heim-EM 2024, wo man im Viertelfinale ausschied, ist die Mannschaft unter Nagelsmann gereift. Der Kader hat Qualität, die taktische Variabilität ist vorhanden. Prämienstreitigkeiten haben selten direkten Einfluss auf Spielergebnisse – aber sie sind ein Indiz dafür, wie gut ein Verband sein Turnier managt. Und das DFB-Management steht diesmal unter besonderer Beobachtung.