Goretzka hat sportlich weiter genug zu bieten. Sein Problem ist die Preisliste: Wer mit 31 ablösefrei kommt, aber wie ein Stammspieler bezahlt werden will, landet schnell auf keiner Liste mehr.

Vom Topverdiener zum Wartenden
Am 30. Juni lief sein Vertrag aus. Acht Jahre München, 15 Titel, das Triple 2020, 73 Länderspiele. Ende Juli kam Goretzka noch einmal an die Säbener Straße – in Freizeitkleidung, um seinen Dienstwagen abzugeben. Trainiert hat er da nicht mehr.
Seitdem: Stille. Barcelona wurde Ende Juli als Interessent gehandelt, Hansi Flick suchte Ersatz für den verletzten Frenkie de Jong. Sportdirektor Deco soll abgeblockt haben. Davor Milan, wo Massimiliano Allegri persönlich telefoniert und einen Dreijahresvertrag in Aussicht gestellt haben soll – bis Allegri entlassen wurde und in Mailand niemand mehr für den Deal zuständig war. Arsenal, Juventus, Napoli, Atlético: alles schon mal gemeldet, nirgends etwas passiert.
Sieben Millionen netto – und wer soll das zahlen?
Über die Ursache berichten mehrere Medien einhellig: zu hohe Forderungen. Kolportiert werden sieben Millionen Euro netto pro Jahr plus rund zehn Millionen Handgeld. In München verdiente Goretzka zuletzt rund 13 Millionen brutto. Für einen 31-Jährigen, der in seiner letzten Bundesliga-Saison hinter Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic meist dritte Wahl war, ist das eine sportliche wie rechnerische Ansage.
Immerhin: Zeitdruck im klassischen Sinn gibt es nicht. Ablösefreie Spieler können auch nach Schließung des Transferfensters unterschreiben. Nur nützt ihm das wenig. Je länger die Suche dauert, desto weniger Spielpraxis bringt er mit – ausgerechnet jetzt, wo beim DFB alles neu sortiert wird.
Am Samstag übernimmt Jürgen Klopp offiziell das Amt des Bundestrainers. Goretzka steht auf dessen erweiterter Kandidatenliste, geführt als vereinsloser Spieler. Klopps erstes Spiel steigt am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande. Bis dahin bleiben gut sechs Wochen. Ohne Klub wird daraus nichts.