Leverkusen ersetzt einen Freistoßspezialisten nicht durch einen Innenverteidiger. Medina bringt Härte und WM-Erfahrung – die Standards muss künftig jemand anderes schießen.

Medina kommt für die Zentrale, nicht für die Flanke
Am Dienstag machte die Werkself den Transfer offiziell. Medina wechselt von Olympique Marseille ins Rheinland und unterschreibt bis zum 30. Juni 2031. Über die Ablöse gehen die Angaben auseinander: Medienberichte nennen 20 Millionen Euro, andere Quellen sprechen von 25 Millionen plus zwei Millionen an Boni.
Sportchef Simon Rolfes lobte die Erfahrung und Mentalität des 27-Jährigen. Und Erfahrung hat der Argentinier reichlich gesammelt. Bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada stand er fünfmal auf dem Platz, im Finale gegen Spanien kam er in der 70. Minute – Argentinien verlor 0:1 nach Verlängerung. 14 Länderspiele stehen bislang in seiner Bilanz.
Nur: Medina ist kein Außenbahn-Dauerläufer. Er verteidigt zentral, kann links hinten aushelfen. Das ist Variabilität, keine Kopie von Grimaldo.
Der eigentliche Grimaldo-Erbe heißt Gutiérrez
Die Flanken schlägt künftig ein anderer. Miguel Gutiérrez kam Anfang August von der SSC Neapel, laut Kicker für eine Sockelablöse von 26 Millionen Euro, mit Boni werden es 30. Vertrag bis 2031. Der 25-Jährige war die Wunschlösung von Trainer Carles Martínez Novell, der seit dem 1. Juli in Leverkusen arbeitet und seinen Landsmann ganz oben auf der Liste hatte.
Bemerkenswert ist die Rechnung dahinter. Für Grimaldo kassierte Bayer zunächst 22 Millionen Euro, mit Zusatzzahlungen bis zu 25. Der Nachfolger kostet mehr, als der Vorgänger eingebracht hat. Grimaldo hinterließ in drei Jahren 145 Pflichtspiele, 30 Tore, 45 Vorlagen und das Double von 2024. Diese Zahlen erst mal zu erreichen, ist für einen Außenverteidiger schon eine Ansage.
Insgesamt hat die Werkself in diesem Sommer rund 76 Millionen Euro investiert – in Deutschland gab nur der FC Bayern mehr aus. Bei Einnahmen von etwa 100 Millionen bleibt trotzdem ein Plus. Neben Gutiérrez und Medina kamen Afonso Moreira und Kennet Eichhorn.
Wie Martínez die Kette sortiert, ist offen. Denkbar wäre Jarell Quansah rechts, Edmond Tapsoba und Medina im Zentrum, Gutiérrez als offensiver Linksverteidiger. Der Verlierer dieser Aufstellung hätte einen Namen: Jeanuël Belocian gilt laut Bild inzwischen als Verkaufskandidat.
Nach Rang sechs mit 59 Punkten in der Vorsaison steht Leverkusen unter Zugzwang. Ob die umgebaute Abwehr trägt, zeigt sich in wenigen Wochen im Ligabetrieb.