Islam Makhachev hat in Philadelphia geschafft, woran vor ihm jeder gescheitert ist: 17 Siege in Folge in der UFC. Bei UFC 330 verteidigte der Dagestaner seinen Weltergewichtstitel mit einem einstimmigen Punktsieg gegen Ian Machado Garry – 49:46, 49:46 und 48:47 lauteten die Wertungen. Damit überholt er Anderson Silvas Bestmarke von 16 Erfolgen am Stück.
Makhachev steht jetzt bei einer Bilanz von 29 Siegen und einer Niederlage. Er ist zudem erst der fünfte Kämpfer der UFC-Geschichte, der als Champion in zwei Gewichtsklassen jeweils erfolgreiche Titelverteidigungen abliefern konnte. Die Frage nach dem Ende dieser Serie stellt sich langsam nicht mehr – die Frage lautet eher, wer sie überhaupt noch stoppen soll.
Bei einer Siegesserie wie dieser wird der Favoritenpreis irgendwann unattraktiv. Genau deshalb schaue ich bei Makhachev-Kämpfen nicht auf den Siegermarkt, sondern auf Methode und Rundenlinien – da liegt der Wert, den der Massenmarkt konsequent ignoriert.

Der Kampf: Kontrolle statt Spektakel
Die Wertungen sagen viel über den Verlauf. Zwei Punktrichter sahen Makhachev in vier von fünf Runden vorn, einer gab Machado Garry eine zusätzliche Runde. Ein knapper Kampf war es nicht, ein dominanter aber auch nicht in dem Sinne, dass der Herausforderer nie eine Phase gehabt hätte. Machado Garry hatte sich diesen Titelkampf mit einem Sieg über Belal Muhammad verdient und ging als der technisch beste Striker in Makhachevs Weltergewichtsära in den Käfig.
Genau das machte das Ergebnis so aussagekräftig. Makhachev gewann nicht, weil sein Gegner Fehler machte, sondern weil er das Spiel diktierte – so wie er es seit Jahren tut. Die Serie von 17 Siegen ist deshalb kein statistischer Zufall aus günstigen Matchups, sondern das Resultat eines Stils, der gegen praktisch jedes Profil funktioniert.
Auch Dern behält den Gürtel
Im Co-Main-Event verteidigte Mackenzie Dern ihren Strohgewichtstitel gegen Gillian Robertson, ebenfalls einstimmig nach Punkten – 49:46, 48:47 und 49:46. Ein Grappling-Duell zweier Spezialistinnen, das über die volle Distanz ging und keine der beiden schlecht aussehen ließ, am Ende aber klar an die Champion.
Für Highlight-Fans lieferte Jalin Turner das Bild des Abends: Er beendete den Kampf gegen Kaue Fernandes bereits nach 39 Sekunden der ersten Runde per Knockout durch Schläge. Ein Ergebnis, das im Vorfeld in keinem Markt als wahrscheinlichstes Szenario gehandelt wurde – und ein Beleg dafür, wie schnell im MMA alles kippen kann.
Wettblick: Wo bei Makhachev noch Value liegt
Das Grundproblem bei einem Kämpfer wie Makhachev ist bekannt: Die Siegquote ist so kurz, dass sie für die meisten Wetter uninteressant wird. Wer 17 Kämpfe in Folge gewinnt, wird von den Buchmachern entsprechend bepreist – und das Risiko einer einzigen Überraschung steht in keinem Verhältnis zum Ertrag.
Spannender sind die Nebenmärkte. Der Kampf gegen Machado Garry ging über die volle Distanz, und das ist ein Muster: Gegen technisch starke Gegner sucht Makhachev nicht den frühen Abschluss, sondern die Kontrolle. Wer Rundenlinien und Über-Wetten auf die Kampfdauer im Blick behält, findet in Titelkämpfen der Weltergewichtsklasse regelmäßig bessere Werte als im Siegermarkt.
Für die kommenden Monate gilt außerdem: Die Quoten auf potenzielle nächste Herausforderer werden früh gestellt und bewegen sich stark, sobald die UFC einen Termin offiziell macht. Wer eine Meinung zu einem bestimmten Matchup hat, ist in diesem Fenster besser bedient als nach der offiziellen Ankündigung. Und wer Kombis auf Undercard-Kämpfe spielt, sollte sich den Turner-KO als Warnung merken: Im MMA schlägt Varianz jede Form.
Bleibt die Frage nach dem Erbe. Mit 17 Siegen in Folge und Titeln in zwei Gewichtsklassen bewegt sich Makhachev in einer Kategorie, die vor ihm nur eine Handvoll Kämpfer erreicht hat. Die Debatte, ob er der beste Pound-for-Pound-Athlet der Gegenwart ist, dürfte nach Philadelphia kaum noch strittig sein. Für Wetter heißt das vor allem eins: Die Preise werden weiter sinken, je länger die Serie hält. Wer eine Gegenposition sucht, braucht künftig sehr gute Gründe – und sollte sich auf Matchups konzentrieren, in denen ein Gegner echte Wrestling-Referenzen mitbringt.