Wenn der Nationaltrainer drohen muss, damit Spieler überhaupt ins Camp kommen – dann läuft im mexikanischen Fußball grundsätzlich etwas falsch. Das ist kein gutes Zeichen vor einem Heimturnier.
Aguirres Ultimatum: Abendessen oder WM
Die Geschichte klingt wie ein schlechter Witz, ist aber bitterer Ernst: Javier Aguirre, Nationaltrainer von Mexiko und WM-Gastgeber, ließ seine Klubs wissen, dass er sich erwartet, dass die Spieler zu den vereinbarten Zeitpunkten im Nationalteam-Camp erscheinen – oder er zieht Konsequenzen. Die Formulierung, die in mexikanischen Medien zirkulierte: “Wer nicht kommt, isst nicht mit uns – und spielt auch nicht bei der WM.”
Was im ersten Moment theatralisch klingt, hat einen ernsthaften Hintergrund: Das Trainings- und Vorbereitungsfenster des mexikanischen Verbandes FMF liegt außerhalb der offiziellen FIFA-Länderspielperioden. Das bedeutet: Die Klubs sind rechtlich nicht verpflichtet, ihre Spieler freizustellen. Und genau das nutzen einige von ihnen aus.
Liga MX und CONCACAF Cup: Der Terminkalender-Wahnsinn
Der Grund für die Blockadehaltung der Klubs ist nachvollziehbar, auch wenn er für den Verband ein Desaster ist: Die Liguilla – die entscheidende Playoff-Phase der Liga MX – fällt zeitlich mit dem WM-Vorbereitungsprogramm zusammen. Hinzu kommt der CONCACAF Champions Cup, bei dem mehrere mexikanische Klubs noch im Rennen sind. Kein Klub will auf seine besten Spieler verzichten, wenn gerade der eigene Titel auf dem Spiel steht.
Chivas Guadalajara erwischte es dabei besonders hart: Im letzten Ligaspiel fehlten fünf Stammspieler, die Aguirre ins Nationalteam-Camp gerufen hatte. Das Ergebnis: eine 1:3-Niederlage. Die Fans pfiffen. Der Klubvorstand schäumte. Und der Streit zwischen Liga und Verband eskalierte weiter.
Heimvorteil als Fluch?
Mexiko ist einer der drei Gastgeber der WM 2026, gemeinsam mit den USA und Kanada. Der Druck auf die Mannschaft von Aguirre ist enorm – die Fans erwarten mindestens das Viertelfinale, viele träumen von mehr. Doch wenn schon die Vorbereitung im Streit zwischen Verband und Liga versinkt, ist das kein gutes Omen.
Historisch hat Mexiko bei Heimturnieren zwar immer leidenschaftliche Unterstützung genossen, aber auch unter dem Druck gelitten. 1986 erreichte man das Viertelfinale, 1970 das Viertelfinale. Doch in der modernen Ära ist Mexiko seit elf WM-Turnieren in Folge im Achtelfinale ausgeschieden – der berüchtigte “Quinto partido”-Fluch.
Für Sportwetter ist die innere Zerrissenheit Mexikos ein wichtiger Faktor. Ein Team, das schon vor dem ersten Anpfiff mit sich selbst kämpft, ist schwer zu beurteilen – aber auch schwer als sicherer Favorit einzuschätzen.