Musiala hat in München nie ein körperliches Problem gehabt, sondern ein Vertrauensproblem in den eigenen Fuß. Die Platte ist raus, die Ausreden sind es damit auch. Wer bei Bayern auf der Zehn spielen will, muss ab dem 22. August liefern – Saibari und Karl warten nicht höflich ab.

Keine neue Verletzung: Warum Musiala den Trainingsauftakt verpasste
Der Reihe nach. Musiala hat sich in diesem Sommer nichts Neues gebrochen. Anfang Juli ließ er sich eine Metallplatte aus dem linken Fuß entfernen – jenes Implantat, das ihm nach dem Wadenbeinbruch samt Sprunggelenksluxation bei der Klub-WM 2025 eingesetzt worden war. Der Eingriff stand ohnehin an. Nach dem frühen WM-Aus der DFB-Elf im Elfmeterschießen gegen Paraguay hatte er plötzlich das Zeitfenster dafür.
Der Rest lief nach Drehbuch. Reha-Start Ende Juli, Einzelschichten auf dem Platz, während die Kollegen auf der Audi Summer Tour in Südkorea und Hongkong Sponsorentermine abarbeiteten. Am Samstag landet der Tross wieder in München. Am Montag will Musiala dabei sein, zunächst in Teilen des Mannschaftstrainings.
Die Hoffnung im Klub geht über den Fitnesszustand hinaus. Ohne Fremdkörper im Fuß, so das Kalkül, spielt Musiala endlich wieder ohne Schutzhaltung. Ob das funktioniert, weiß niemand vorher. Ein Jahr mit Platte im Knochen hinterlässt mehr als eine Narbe.
Saibari, Karl, Gnabry: Die Zehn ist plötzlich hart umkämpft
Vor eineinhalb Jahren war diese Position eine Formsache. Heute ist sie ein Wettbewerb. Rund 50 Millionen Euro für Ismael Saibari sind eine unmissverständliche Ansage: Der Marokkaner traf in der Vorsaison 19-mal für die PSV, spielte bei der WM zeitweise als falsche Neun und kann im Angriffsdrittel praktisch jede Rolle ausfüllen. Dahinter drängt Lennart Karl, 18 Jahre alt und mit Musialas alter Rückennummer unterwegs. Serge Gnabry überzeugte vor seiner Verletzung ebenfalls in der Zentrale. Und Michael Olise bezeichnet die Zehn selbst als seine natürlichste Position.
Kane, Díaz und Olise sind gesetzt. Bleibt ein Platz für vier ernsthafte Kandidaten.
Die Zahlen erklären, warum die Debatte überhaupt läuft. 24 Pflichtspiele, fünf Tore, sechs Vorlagen in der Rückrunde – ordentlich für einen Rückkehrer, aber weit entfernt von den 21 Toren und acht Assists der Saison vor der Verletzung. Sportvorstand Max Eberl beobachtete zuletzt, Musiala habe “so ein bisschen diese Leichtigkeit verloren”. Lothar Matthäus formulierte es in seiner Sky-Kolumne schärfer: Es gebe jetzt keine Ausreden mehr.
Ob Vincent Kompany ihn in Dortmund von Beginn an aufstellt, ist offen. Realistischer wirkt zunächst der Kaderplatz, den der interne Plan seit Wochen vorsieht, dazu ein Kurzeinsatz. Sechs Tage später eröffnet Bayern gegen Stuttgart die Bundesliga-Saison.
Bis dahin entscheidet sich viel im Training. Und Musiala hat davon dieses Mal keine Woche zu verschenken.