Die spannendste Zahl der ersten Spieltage wird nicht die Nachspielzeit sein, sondern die Zahl der Ecken, die aus verzögerten Abstößen entstehen. Genau da entscheidet sich, ob die Regel greift oder ob die Schiedsrichter sie nach vier Wochen stillschweigend weglassen. Kontrolle über den Ablauf ist das eine, Kontrolle über 90 Minuten Spielrhythmus das andere.

Countdown, Zehn-Sekunden-Frist, Zwangspause: Das gilt ab sofort
Verzögert ein Team Abstoß oder Einwurf, zeigt der Schiedsrichter einen Fünf-Sekunden-Countdown. Läuft der ab, gibt es eine Ecke gegen die verzögernde Mannschaft beziehungsweise einen Wechsel des Einwurfrechts. Bei Auswechslungen bleiben zehn Sekunden, um das Feld zu verlassen. Wer trödelt, zwingt seinen Ersatzmann zum Warten — mindestens eine Minute, und dann erst bei der nächsten Unterbrechung.
Der heikelste Punkt betrifft Verletzungen. Wer auf dem Platz behandelt wird oder eine Unterbrechung verursacht, muss runter und eine Minute draußen bleiben. Ausnahmen gibt es unter anderem für Torhüter. Wer schon einmal gesehen hat, wie ein Team in Unterzahl eine Ecke verteidigt, ahnt, welche Szenen daraus entstehen können.
Wo der Ärger tatsächlich liegt
Die Klubs haben mitentschieden — und Teile des Pakets abgelehnt. Am 27. Juli einigten sich DFB, DFL und Bundesligisten darauf, falsch gegebene Ecken weiter außerhalb des VAR-Protokolls zu lassen. Die in England getestete Torwart-Regel, bei der nach einer Torhüterbehandlung ein Feldspieler hinausmuss, kommt in Deutschland ebenfalls nicht. Feste Trinkpausen nach WM-Vorbild: gestrichen.
Kritik gibt es trotzdem. ZDF-Experte Thorsten Kinhöfer nennt Teile der Neuerungen „nicht vernünftig”. Die praktische Sorge trifft vor allem die Amateurebene: Ein Einzelschiedsrichter auf Kreisebene zählt künftig bei Abstoß, Einwurf, Auswechslung und Torwart-Ballbesitz gleichzeitig — und soll nebenbei das Spiel leiten.
Bleibt die Frage, die jede Regeländerung seit Jahren begleitet. Wird sie im Dezember noch genauso gepfiffen wie am ersten Spieltag?