Am 18. Mai gibt Ralf Rangnick seinen finalen WM-Kader bekannt. Was harmlos klingt, ist in Wahrheit der Abschluss eines monatelangen Abwägungsprozesses – und mindestens drei Entscheidungen werden in Österreich für heiße Diskussionen sorgen.
Rangnick hat dieses Team aus einer Durchschnittstruppe in eine WM-Mannschaft verwandelt. Aber jetzt kommt der schwerste Teil: nicht Taktik, nicht Training – sondern 26 Namen auf einer Liste. Wer nicht drauf steht, erinnert sich noch Jahre daran.
Wanner, Chukwuemeka – Österreichs neue Gesichter überraschen Europa
Dass Paul Wanner (PSV Eindhoven) und Carney Chukwuemeka (Borussia Dortmund) für Österreich spielen werden, hat den Fußball-Kontinent aufhorchen lassen. Beide Youngster haben sich aktiv für das ÖFB-Team entschieden – eine direkte Folge von Rangnicks intensiver Überzeugungsarbeit. Wanner, der mit gerade einmal 19 Jahren in Eindhoven aufhorchen lässt, gilt als der aufregendste österreichische Mittelfeldspieler seiner Generation. Chukwuemeka bringt Physis und technisches Niveau aus dem BVB-Kader mit.
Beide Neuzugänge stehen für etwas Größeres: Rangnick versteht es, Spieler mit Migrationshintergrund oder Doppelpass-Optionen für Österreich zu gewinnen – eine Strategie, die sportlich aufgeht, aber auch Fragen zur Identitätspolitik im Fußball aufwirft.
Arnautovic, Laimer, Sabitzer – die erfahrene Achse trägt das Team
Das Gerüst der Mannschaft steht. Im Mittelfeld bilden Konrad Laimer (Bayern München), Marcel Sabitzer (Borussia Dortmund), Christoph Baumgartner, Georg Seiwald und Patrick Wimmer eine eingespielte Einheit mit Bundesliga-Qualität. Sieben Spieler aus der deutschen Bundesliga im WM-Kader – das ist kein Zufall, das ist System.
Vorn hängt viel an Marko Arnautovic. Mit 36 Jahren und 130 Länderspielen ist er der erfahrenste Mann im Kader – aber auch das größte Fragezeichen. Seine Fitness über ein volles Turnier ist schlicht nicht garantiert. Rangnick hat mit Gregoritsch eine erfahrene Alternative eingeplant, aber einen echten Ersatz für Arnie gibt es nicht.
Schlager sicher, Alaba fehlt – und das Kader-Puzzle ist noch nicht fertig
Im Tor ist die Lage klar: Alexander Schlager (Red Bull Salzburg) ist Nummer eins. Der eigentliche Schmerz bleibt David Alaba – Europas elegantester Abwehrspieler verpasst die WM verletzungsbedingt. Ein Ausfall, der nicht zu kompensieren ist, aber von Rangnick in die Systemplanung eingepreist wurde. Am 18. Mai wissen wir mehr. Bis dahin: drei Wackelkandidaten, ein Überraschungsplatz – und ein Kader, der gegen Argentinien spielen muss.