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Stichtag im Dopingfall Ansah: Deutschlands schnellstem Sprinter droht die Vier-Jahres-Sperre

Dennis Buchbauer
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Für Owen Ansah ist dieser Donnerstag kein gewöhnlicher Tag im Spätsommer. Der 27. August ist der Stichtag, an dem die Frist der Nationalen Anti-Doping-Agentur ausläuft – und mit ihr die einfachste Variante, diesen Fall zu beenden. Deutschlands schnellster Sprinter kann den Sanktionsvorschlag der NADA anerkennen und dafür drei Jahre Sperre kassieren. Oder er zieht vor das Deutsche Sportschiedsgericht und riskiert vier. Sein Anwalt hat längst klargemacht, welchen Weg er gehen will.

Das Bemerkenswerte daran: Es gibt keine positive Probe. Kein verbotenes Mittel, kein auffälliger Wert, kein Labor, das Alarm geschlagen hätte. Der Vorwurf lautet Artikel 2.3 des Anti-Doping-Codes – Weigerung oder Unterlassen, sich einer Probenahme zu unterziehen. Auf dem Papier ein Formalverstoß, in der Konsequenz aber genauso hart bestraft wie eine handfeste Dopingsünde. Und mittendrin steht ein 25-Jähriger, der gerade die beste Saison seines Lebens hingelegt hat.

Ein Dopingverfahren ohne positive Probe ist für jeden, der Sportwetten ernst nimmt, das unangenehmste Szenario überhaupt: Die Entscheidung fällt im Verhandlungssaal, nicht auf der Bahn – und kein Formmodell der Welt bildet das ab.

Sportwettenexperte & Autor
Dennis Buchbauer

Der 9. Juli: ein Klingeln um halb drei und ein Flug nach Monaco

Rekonstruieren lässt sich dieser Nachmittag nur in Teilen, und genau darin liegt das Problem. Fest steht: Am 9. Juli stand ein Kontrolleur vor Ansahs Tür. Fest steht auch, dass am Ende keine Probe im Kühlkoffer lag. Alles dazwischen ist umstritten.

Ansahs Version, veröffentlicht über den DLV: Der Kontrolleur klingelte gegen 14:30 Uhr – außerhalb des Zeitfensters, das der Sprinter im Meldesystem hinterlegt hatte. Ansah war auf dem Sprung zum Flughafen, kurzfristig als Nachrücker ins Diamond-League-Feld von Monaco gerutscht. Kurz zuvor hatte er die Toilette benutzt, konnte also nicht liefern. Warten war aus seiner Sicht keine Option, der Flug nicht verschiebbar. In Monaco testete ihn am Wettkampftag die WADA, am Montag darauf die NADA im regulären Morgenfenster. Beide Kontrollen blieben unauffällig.

Die NADA sieht das anders. Für sie zählt nicht, was danach passierte, sondern was am 9. Juli eben nicht passierte. Wer im Meldesystem registriert ist, hat sich einer angesetzten Kontrolle zu stellen; Termindruck entlastet nur, wenn ein zwingender Grund vorliegt. Ob ein Abflug zu einem Diamond-League-Meeting so ein Grund ist, darüber wird am Ende ein Schiedsgericht befinden müssen.

Vier Jahre, drei Jahre – und die Frist, die heute endet

Am 7. August machte die NADA ihr Ergebnismanagement öffentlich: Sanktionsvorschlag vier Jahre nach Artikel 10.3.1, bei Anerkennung automatische Reduktion auf drei. Dazu der Antrag, sämtliche Ergebnisse ab dem 9. Juli zu annullieren – inklusive Medaillen, Punkten und Preisgeldern. Eine vorläufige Suspendierung sprach die Agentur nicht aus, weshalb Ansah bei der EM überhaupt antreten durfte.

Zwanzig Tage hatte er Zeit. Die laufen heute ab. Sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh erklärte bereits Anfang August, man werde den Vorschlag nicht akzeptieren; sein Mandant habe sich zu keinem Zeitpunkt geweigert. Damit steuert der Fall auf ein Disziplinarverfahren beim Deutschen Sportschiedsgericht zu, gegen dessen Spruch anschließend noch der Weg zum Internationalen Sportgerichtshof offenstünde. Das kann sich über Monate ziehen. In dieser Zeit bleibt Ansah startberechtigt – ein Schwebezustand, der niemandem nützt, ihm selbst am wenigsten.

Aussage gegen Aussage: das unterschriebene Formular

Richtig unangenehm wurde es am 12. August. ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt berichtete, Ansah habe an jenem 9. Juli ein Meldeblatt unterschrieben, das ihn ausdrücklich über die Folgen einer verweigerten Kontrolle aufklärte – inklusive des Hinweises auf bis zu vier Jahre Sperre. Auch der Kontrolleur habe das Dokument signiert. Seppelts Einordnung fiel deutlich aus: Ansahs öffentliche Darstellung stehe in krassem Widerspruch zu diesen Informationen.

Ansah selbst hatte erklärt, es seien ihm keinerlei Konsequenzen aufgezeigt worden, der Kontrolleur habe ihm zum Abschied sogar viel Glück in Monaco gewünscht. Cherkeh äußerte sich zu den ARD-Recherchen nicht, die NADA hat das Formular bislang ebenfalls nicht öffentlich bestätigt. Genau hier liegt der Kern des Verfahrens: Existiert dieses Papier und trägt es Ansahs Unterschrift, wird die Verteidigungslinie spürbar dünner. Hier läuft etwas, das sich mit Kommunikation allein nicht mehr einfangen lässt.

Gold, Bronze – und was davon übrig bleiben könnte

Die Ironie des Falls liegt darin, dass Ansah sportlich gerade Geschichte schreibt. Im Juni lief er in Regensburg 9,98 Sekunden und verbesserte seinen eigenen deutschen Rekord. Bei der EM in Birmingham holte er am 11. August Bronze über 100 Meter in 10,19 Sekunden – die erste deutsche EM-Medaille auf dieser Strecke seit vierzig Jahren. Drei Tage später folgte Gold über 200 Meter in 19,95 Sekunden, wegen 2,5 Metern Rückenwind zwar nicht rekordtauglich, aber der erste deutsche EM-Titel über diese Distanz seit 44 Jahren.

Beide Medaillen fallen in den Zeitraum, den die NADA annullieren lassen will. Auf die Staffel verzichtete Ansah bewusst, um seine Kollegen nicht in die Sache hineinzuziehen – die 4×100-Meter-Staffel holte ohne ihn Silber in 38,64 Sekunden. Eine Geste, die im deutschen Team ankam. Der DLV stellte sich hinter den Athleten, verwies zugleich aber auf die Zuständigkeit der NADA. ARD-Experte Frank Busemann mahnte Gleichbehandlung an, Pharmakologe Fritz Sörgel hält die Chancen auf eine Reduktion unter vier Jahre für eher gering.

Was für Ansah und für die Märkte auf dem Spiel steht

Sportlich geht es bei diesem Verfahren um weit mehr als zwei Medaillen. Eine dreijährige Sperre würde Ansah bis weit in sein 29. Lebensjahr aus dem Wettkampfbetrieb nehmen, vier Jahre wären auf Weltniveau faktisch das Karriereende. Für einen Sprinter, der erst mit Mitte zwanzig den Bereich unter zehn Sekunden zur Normalität gemacht hat, ist das eine brutale Rechnung – eingehandelt nicht durch eine schwache Saison, sondern durch zwanzig Minuten an einem Julinachmittag.

Aus Sicht der Wettmärkte ist der Fall ein Lehrstück darüber, wie schnell Notierungen kippen, ohne dass ein einziger Wettkampf stattfindet. Vor Birmingham war Ansah in den Sprintmärkten gefragt, nach Rekord und EM-Gold erst recht. Seit dem NADA-Vorschlag steht hinter jeder langfristigen Notierung auf ihn – Hallensaison, Meisterschaften, Olympia-Perspektive – ein juristischer Vorbehalt, den keine Formkurve abbildet. Wo Quoten sonst auf Form und Konkurrenzdichte reagieren, reagieren sie hier auf Verhandlungstermine.

Bis dahin bleibt ein Fall, in dem beide Seiten glaubwürdig klingen und sich trotzdem gegenseitig widersprechen. Heute endet die Frist, danach will die NADA über den weiteren Stand informieren. Damit beginnt aller Voraussicht nach nicht das Ende dieser Geschichte, sondern erst ihr eigentlicher Hauptteil.

Dennis Buchbauer

Hi, ich bin Dennis – Experte für Predictive Analytics und Sportwetten. Seit über 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Sportwetten und der Frage, wie sich Daten in fundierte Vorhersagen verwandeln lassen. Auf Wette.de bin ich für die Testberichte sowie die Sportwetten-Strategien zuständig. Jeden Wettanbieter teste ich aus echter Spielersicht – ich schaue mir nicht nur die Webseite an, sondern wette tatsächlich selbst. Mein Hintergrund in Consumer Behavior Prediction und Event Forecasting fließt dabei direkt in meine Analysen und Wetttipps ein.