Algerien steckt wenige Wochen vor der WM 2026 in einer handfesten Tormannkrise. Mit Mandrea gesperrt, Zidane mit Kieferbruch und Mastil frisch operiert könnte ein 19-jähriger Debütant ohne einen einzigen Profi-Einsatz zur Nummer eins der Wüstenfüchse werden – ausgerechnet gegen den ÖFB.
Wenn ein 19-Jähriger ohne einen einzigen Profi-Einsatz plötzlich die Nummer eins bei einer WM werden könnte – das ist keine Vorbereitung mehr, das ist Improvisation auf höchstem Niveau.
Drei Torhüter, drei Probleme – und ein Teenager als Lösung?
Es ist eine der kuriosesten Geschichten dieser WM-Vorbereitung: Algerien, ÖFB-Gegner in der Gruppenphase der WM 2026, reist möglicherweise mit einem Torhüter an, der auf Profi-Ebene noch kein einziges Pflichtspiel bestritten hat. Die Ausgangslage ist dramatisch. Stammkeeper Alexandre Oukidja ist verletzt, sein Vertreter Raïs M’Bolhi längst im Rentenalter des Fußballs. Doch die aktuellen Ereignisse übertreffen alles.
Lucas Mandrea, eigentlich klarer Kandidat für den WM-Kader, wurde nach einem Disziplinarvorfall gesperrt. Einen Monat vor dem Turnier. Sein Konkurrent Youcef Zidane – kein Verwandter der Legende, aber ebenfalls ein Name mit Gewicht in Algerien – erlitt einen Kieferbruch und fällt aus. Und als wäre das nicht genug: Torhüter Mastil wurde am Leistenkanal operiert und kämpft gegen die Zeit.
Belazzoug: Ein Name, den kaum jemand kennt
Nationaltrainer Vladimir Petković – einst Erfolgstrainer der Schweiz und seit 2022 in Algerien – hat nun die 19-jährige Nachwuchshoffnung Yanis Belazzoug in den vorläufigen WM-Kader berufen. Belazzoug spielt für den algerischen Erstligisten CR Belouizdad, hat aber auf Profi-Ebene noch keine Minute absolviert. Seine bisherige Karriere: Jugend, Reservemannschaft, ein paar Trainingseinheiten mit den Profis.
Dass ein solch unerfahrener Spieler ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft ins kalte Wasser geworfen werden könnte, ist selbst für erfahrene WM-Beobachter schwer vorstellbar. Und doch ist es Realität – zumindest noch. Denn Petković soll nun erwägen, den mit ihm zerstrittenen Nassim Benbot zurückzuholen. Der erfahrene Keeper hatte die Nationalmannschaft nach einem öffentlichen Konflikt mit dem Trainer verlassen.
Petković und die Suche nach Stabilität
Für Österreich ist diese Situation ein zweischneidiges Schwert. Einerseits trifft man im Gruppenspiel auf einen geschwächten Gegner, andererseits warnt die Erfahrung: Unterlegenheitsgefühle können Teams erst recht zusammenschweißen. Algerien war bei der WM 2014 in Brasilien eine echte Überraschungsmannschaft und scheiterte erst im Achtelfinale an Deutschland nach Verlängerung.
Die Wüstenfüchse haben Qualität in ihren Reihen – Riyad Mahrez, Baghdad Bounedjah, Ismaël Bennacer. Doch ohne stabilen Rückhalt im Tor wackelt das Fundament. Petković weiß das, und er wird bis zuletzt nach einer Lösung suchen. Ob die Benbot-Rückkehr gelingt, ob Mastil rechtzeitig fit wird, oder ob am Ende tatsächlich ein 19-Jähriger vor die Kameras der Welt tritt – die nächsten Wochen werden es zeigen.
Für die WM-Wetten ist das jedenfalls ein Faktor, den man nicht ignorieren sollte: Eine Mannschaft ohne klaren Stammkeeper geht mit einer Achillesferse ins Turnier.