Tuchel. Der Name klingt deutsch, die Mission ist englisch. Der Bundestrainer a.D., der Bayern München mit dem Champions-League-Titel schmückte und Chelsea zur Krone Europas führte, soll nun das größte Projekt seines Lebens vollenden: England Weltmeister machen. Tüchtig ist er dafür. Ob er tüchtig genug ist, entscheidet sich im Juli.
Tuchel hat England stabilisiert und eine Mentalität eingeimpft, die unter früheren Trainern gefehlt hat. Ob das reicht, um 60 Jahre Schmerz zu beenden? Das ist die Millionen-Pfund-Frage – und sie wird auf dem Platz beantwortet.
Was Tuchel anders macht
Unter Gareth Southgate war England solide – zu solide. Tuchel bringt eine andere Energie: höheres Pressing, direkteres Spiel, klare Hierarchien. Jude Bellingham ist das Herzstück, Harry Kane der Vollstrecker, Phil Foden der kreative Kopf. Die Rollen sind verteilt, der Plan ist klar. England hat die teuerste Mannschaft des Turniers – und unter Tuchel weiß sie erstmals, wie sie diese Qualität auf den Platz bringen soll.
Die Qualifikation war keine Prüfung – die Gegner waren zu schwach. Aber die Art und Weise, wie England gespielt hat, die Konstanz, die Effizienz, die Null-Fehler-Mentalität: Das ist Tuchels Handschrift.
Warum es trotzdem nicht reicht?
England in der Gruppe L mit Kroatien, Panama und Ghana – das ist machbar. Doch im KO ist alles möglich. Und England hat eine Tradition: In entscheidenden Momenten verlieren sie. Elfmeterschießen, Eigentore, Chaos. Tuchel weiß das. Er hat gegen dieses Muster gearbeitet. Ob er es gebrochen hat, erfährt man spätestens im Viertelfinale.
Tüchtig ist gut. Weltmeister ist besser. England wartet seit 1966. Tuchel soll es richten. Und vielleicht – vielleicht – ist er tüchtig genug dafür.