Sechs Wochen vor dem Anpfiff steht die WM 2026 unter keinem guten Stern. Sepp Blatter nennt die FIFA eine Diktatur. Donald Trump schimpft über Ticketpreise. Human Rights Watch warnt vor einem Klima der Angst. Und neue VAR-Regeln klingen gut – bis man sie liest.
Diese WM ist das ambitionierteste Turnier der Geschichte – 48 Teams, drei Länder, 16 Spielorte. Und gleichzeitig das am meisten kritisierte. Das ist kein Widerspruch. Das ist Infantino.
Blatter packt aus: „Die FIFA ist eine Diktatur“
In einem ZDF-Interview für die Dokumentation „FIFA WM 2026: Grün ist hier nur der Rasen“ schoss Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter scharf gegen seinen Nachfolger Gianni Infantino: „Die FIFA ist im Moment eine Diktatur. Alles was der Präsident sagt, wird gemacht. Und alles andere wird zum Schweigen gebracht.“ Blatter kritisierte weiter, dass Infantino nur noch mit Staatschefs verkehre: „Es geht nur noch um Geld und nicht mehr um das Spiel.“
Man muss Blatter nicht mögen – und angesichts seiner eigenen Vergangenheit ist jede Aussage mit Vorsicht zu genießen. Aber wenn der Mann, der den modernen FIFA-Apparat gebaut hat, von Diktatur spricht, dann ist das ein Signal, das man nicht ignorieren sollte.
Trump vs. FIFA: Ticketpreise als politisches Spielfeld
Eine eigentümliche Allianz: Donald Trump und der normale Fußballfan sind sich einig – die Ticketpreise für die WM 2026 sind obszön. Der US-Präsident, der das Turnier als nationales Prestige-Projekt verstanden wissen will, drohte öffentlich, die FIFA-Preisgestaltung „unter die Lupe nehmen zu lassen“. Ein Viertelfinale kann Hunderte Dollar pro Eintrittskarte kosten – ein Preis, der amerikanische Familien effektiv ausschließt.
Dazu kommt: Mexiko unter Zolldruck, Kanada mit politischen Spannungen, und ein US-Visa-System, das Nationalteams wie Iran keine klare Einreisezusage gibt. Das iranische Nationalteam hat sich qualifiziert – aber die Visa fehlen noch.
Neue VAR-Regeln und das Klima der Angst in den USA
Sportlich gibt es neue Regeln: Der VAR darf bei der WM 2026 in erweiterten Fällen eingreifen – bei falsch gegebenen Eckbällen, falschen Gelb-Rot-Entscheidungen und Spielerverwechslungen. Klingt nach Fortschritt. Aber wer die Schiedsrichterdebatte beim Bayern-PSG-Halbfinale verfolgt hat, weiß: Mehr VAR bedeutet mehr Misstrauen – nicht weniger.
Human Rights Watch hat im April 2026 gewarnt: Die WM findet vor dem Hintergrund menschenrechtsverletzender Einwanderungskontrollen, neuer Bedrohungen für die Medienfreiheit und nicht eingehaltener Menschenrechtsverpflichtungen seitens der FIFA statt. Für österreichische Fans, die im Juni in die USA reisen: Der Fußball wird fesseln. Aber abseits des Platzes hat dieses Turnier mehr offene Baustellen als jedes andere in der Geschichte des Wettbewerbs.