Wenn Hoteliers in Boston, Philadelphia und Seattle die WM als “Non-Event” bezeichnen – wenige Wochen vor dem Anpfiff – dann stimmt etwas Grundsätzliches nicht. Hohe Preise, politische Unsicherheit und Trump-Effekt treffen das Turnier gleichzeitig.
Die Zahlen sind alarmierend
Eine Umfrage der American Hotel and Lodging Association (AHLA) unter Hotels in allen 16 WM-Austragungsstädten der USA ergibt ein ernüchterndes Bild: Knapp 80 Prozent der befragten Betriebe geben an, dass ihre Buchungen aktuell weit unter den Erwartungen liegen. In Kansas City liegen die Buchungen sogar unter den normalen Sommerwerten für Juni und Juli – also schlechter als in einem gewöhnlichen Jahr ohne WM.
In Boston, Philadelphia, San Francisco und Seattle haben zahlreiche Hoteliers das Turnier intern bereits als “Non-Event” abgestempelt. Kein erhöhter Andrang, keine außergewöhnliche Nachfrage, keine WM-Stimmung auf den Straßen. Mexiko-Stadt, das am 11. Juni das Eröffnungsspiel ausrichtet, kommt auf Auslastungen von lediglich 30 bis 36 Prozent.
FIFA storniert selbst tausende Hotelzimmer
Besonders pikant: Die FIFA selbst hat im März eine Opt-Out-Klausel in ihren Hotelverträgen gezogen und tausende reservierte Zimmer in allen 16 Gastgeberstädten storniert. Der Weltverband hatte sich im Vorfeld umfangreiche Kontingente für Offizielle, Medienvertreter und Partner gesichert – und gibt diese nun zurück. Ein Signal, das die Hotelbranche alarmiert hat.
Gleichzeitig sind zahlreiche Tickets für reguläre Gruppenspiele nach wie vor nicht ausverkauft. Spiele wie USA gegen Paraguay, die eigentlich als Heimspiele der Co-Gastgeber ein Selbstläufer sein sollten, haben noch freie Kapazitäten. Infantino hatte im Februar noch vollmundig behauptet: “Jedes Spiel ist ausverkauft.” Wenige Tage später ruderte die FIFA zurück und eröffnete eine neue “Last-Minute”-Ticketbörse.
Der Trump-Effekt: Europäer bleiben weg
Ein wesentlicher Grund für die schwachen Buchungszahlen liegt in der politischen Stimmung. Viele europäische und lateinamerikanische Fans scheuen die Reise in die USA unter der Trump-Regierung. Berichte über verschärfte Grenzkontrollen, ICE-Einsätze und eine insgesamt wenig einladende Atmosphäre für internationale Besucher wirken abschreckend – selbst wenn die FIFA Sicherheit in den Stadien garantiert.
Bloomberg berichtete, dass die WM 2026 mit einem dreifachen Problem konfrontiert ist: politische Unsicherheit, überzogene Ticketpreise und ein generelles Misstrauen gegenüber der Logistik eines Turniers, das über drei Länder und 16 Städte verteilt ist. Das macht die WM 2026 zur am schwersten planbaren in der Geschichte des Turniers.
Colossal Dud – oder doch noch die Wende?
Das Magazin Newsweek titelte bereits: “2026 World Cup Is at Risk of Being a Colossal Dud.” Amerikanische Organisatoren zeigen sich laut Berichten besorgt, dass die ambitioniertesten Erwartungen nicht erfüllt werden. Das Turnier sollte das größte und erfolgreichste der Geschichte werden – mit 48 Teams, 104 Spielen, rekordverdächtigen Zuschauerzahlen.
Vier Wochen vor dem Anpfiff ist von diesem Triumphgefühl wenig zu spüren. Für Sportwetter ändert sich dadurch nichts an den Quoten der Favoriten – aber die Atmosphäre bei entscheidenden Spielen könnte beeinflusst werden, wenn Heimspieler vor halbleeren Rängen auflaufen.